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Was passiert in der öffentlichen Verwaltung?

Warum Beamte zuviel verdienen – Eine wissenschaftlich-ironische Betrachtung

Auch bei der Dienstrechtsreform nimmt Baden-Württemberg, wie vormals beim Neuen Kommunalen Haushaltsrecht, eine Vorreiterrolle ein und Günther Oettinger, Dienstvorgesetzter und „Historiker der Herzen”, lies verlautbaren, dass „[e]in wesentliches Ziel [...] dabei sein [wird], die Attraktivität von Land und Kommunen als Arbeitgeber im Wettbewerb um die besten Köpfe zu erhöhen”.

Aktuell wird eine Diskussion geführt, ob eine bessere Bezahlung helfen könnte, endlich wieder qualifiziertes Personal für den Abstellbahnhof öffentlicher Dienst zu gewinnen. Für Unternehmen, die Rekordgewinne einfahren und diese nicht über höhere Löhne und Gehälter an ihre Mitarbeiter weitergeben, wird der Fachterminus „Heuschrecken” gebraucht. Öffentliche Arbeitgeber verbuchen zurzeit Rekord-Steuereinnahmen und geben diese ebenfalls nicht über höhere Bezüge an ihre Beamten weiter. Sollte etwa der Staat selbst, die letzte moralische Instanz unserer Gesellschaft, ebenfalls eine „Heuschrecke” sein?

Hierauf kann man nur entschieden mit einem klaren „NEIN!” antworten.

„Die Beamten sind [schließlich] nicht tätig um Einkommen zu erzielen”,1 so die einhellige wissenschaftliche Meinung, die selbstverständlich an den Fachhochschulen für öffentliche Verwaltung des Landes so gelehrt wird. Der Beamte stellt uneigennützig seine Gesamtpersönlichkeit in den Dienst des Staates.2 Beamte sind also intrinsisch motiviert, was einen Glücksfall für den öffentlichen Dienst auf dem Weg in den Manchesterkapitalismus (z. B. TVöD, die beabsichtigte Absenkung des Eingangsamtes für den gehobenen Dienst nach A 8 bei der Polizei) darstellt.

Eine etwaige „[h]ohe Bezahlung kann diese intrinsische Motivation [jedoch] sogar verdrängen und das Interesse an der Tätigkeit an sich allein auf die Belohnung verlagern.”3   Zudem würde eine höhere Besoldung das bisherige Personal in den Grundfesten seines Selbstverständnisses erschüttern, da es das Gefühl hätte, der geliebte Dienstherr würde die intrinsische Motivation verkennen. Im schlimmsten Fall könnten die Beamten sich genötigt sehen, den Arbeitgeber zu wechseln. Dies legt zumindest das Verhalten des Beamtenbundes zum Thema Besoldung nahe, der nur mit Widerwillen Erhöhungen akzeptiert.

„Ein modernes Motivationsmanagement sollte [...] berücksichtigen, dass es bei den Mitarbeitern eine Verdrängung der intrinsischen Motivation durch ökonomische [...] Anreizsysteme” gibt, so Prof. Dieter Wagner.4 Einen Anhaltspunkt, in welcher Höhe extrinsische Motivationsanreize gegeben werden sollten, gibt Herzberg in seiner Pittsburgh-Studie. Geld sorge nur bis zur Höhe der Elementarversorgung (vgl. Grundbedürfnisse bei Maslow: Atmung, Wärme, Trinken, Essen, Schlaf, körperliches Wohlbefinden und Sexualität5 ) für Zufriedenheit.6

Diese Bedürfnisse werden nach dem Verständnis des Gesetzgebers durch Hartz IV, benannt nach dem ehemaligen Personalvorstand von VW, der im Rahmen seines ganzheitlichen Personalmanagementkonzeptes sogar Betriebsausflüge nach Brasilien veranstaltete, abgedeckt. Somit ist es geradezu nötig, Beamte – ganz gleich in welcher Position – maximal in Höhe von Hartz IV zu besolden. Teilweise wird dies seitens der öffentlichen Arbeitgeber bereits vorbildlich umgesetzt, es besteht jedoch noch Entwicklungsbedarf. Nur so können, wie von Günther Oettinger gefordert, „die besten Köpfe” für die Beamtenschaft gewonnen werden!

Dies gilt jedoch nicht für die Beschäftigten (früher: Arbeiter und Angestellte) im öffentlichen Dienst, da diese im Gegensatz zu den Beamten kapitalistisch veranlagt sind. Bei diesen muss die Motivation durch extrinsische Anreize, z. B. ein angemessenes Gehalt, erzeugt werden.

Eine solche angemessene Bezahlung schlägt schon Jesus vor, der sinngemäß sagt „Gib jedem, was dessen ist.” (Mk 12,17), was die Parteien mit dem „C” im Namen auch stets bei ihren Entscheidungen berücksichtigen. Wer weniger bibel- und mehr Manifest ist, dem erhellt ein Blick in das „Hamburger Programm” der SPD die Meinungsfindung: „Starke Gewerkschaften sind für uns unverzichtbar.”, heißt es dort. Da haben wir im öffentlichen Dienst mit unserer Kuschel-Gewerkschaft ver.di aber gerade noch mal Glück gehabt!

  1. Wolff, Bachof (1976) Verwaltungsrecht II, München, S. 475.
  2. Vgl. Bullinger, M (1962) Vertrag und Verwaltungsakt, Stuttgart, Kohlhammer S. 193, 198.
  3. Bruno Frey in: Matthias Wulff, in Welt am Sonntag im Sept. 2004 zit. nach http://www.bildungspolitik-niedersachsen.de/reformen.html, 21.04.2008.
  4. Wagner, D (2005) Professionelles Personalmanagement in: PERSONAL, Heft 09/2005, S. 38 – 41, S. 40.
  5. Vgl. Maslow, A.H. (1943) A Theory of Human Motivation in: Psychological Review, Bd. 50, S.370-396.
  6. Vgl. Herzberg, F, Mausner, B, Snyderman B B. (1959) the motivation to work, New York, Wiley.

6 Kommentare

  1. Abgang_2007
    geschrieben am 1. Mai 2008 um 10:54 Uhr | Permalink

    Die Ungerechtigkeit der Besoldung im Beamtendienst beginnt doch schon bei der altersabhängigen Entlohnung. Wenn man bedenkt, dass ein 25-jähriger Kehlabgänger, der auf einer A13-Stelle sitzt, aufgrund seines Alters nur eine A9-Besoldung bekommt, dazu noch in einer viel geringeren Stufe eingruppiert wird und die gleiche Arbeit verrichtet, dann hat das wenig mit leistungsgerechter Bezahlung zu tun. Aber: “das wird ja schon immer so gemacht”. Komischerweise wird das AGG in privatrechtlichen Bereichen in oft übertriebener Weise angewandt, jedoch vom Beamtenrecht schön ferngehalten. Stattdessen müssen sich die Staatsdiener – grundgesetzlich geregelt – ohne Murren Arbeitzeiterhöhungen bei annähernd gleichbleibenden Löhnen gefallen lassen.

  2. Thöni Andreas
    geschrieben am 3. Juni 2008 um 09:38 Uhr | Permalink

    @Abgang 2007

    Ein Glücklicher, wer nach dem Studium auf einer A13-Stelle sitzen darf, allerdings im Grundsatz stimme ich zu.

    Unser MP Öttinger möchte ja bekanntlich die Beamten in der Spitze der Länder besolden, zumindestens in seiner Fußballersprache auf einem UEFA-Cup-Platz (für Nichtfußballer so zwischen Platz 4 und 6 der Tabelle) allerdings erwartet man dafür eine championsleaguereife Leistung von uns. Welch Zynismus, Herr Öttinger, dafür vielen Dank!!

  3. geschrieben am 21. Juni 2008 um 10:19 Uhr | Permalink

    Zur Ironie des Beitrages vielleicht eine Anmerkung. Wenn ich meine Motivation nur aus dem Ziehe was am Monatsende (bzw. Monatsanfang) auf dem Konto ist gibt es tatsächlich Probleme. Motivation kann nur duch ein Zusammenwirken von vielen Faktoren erreicht werden, einer ist die (als gerecht empfundene) Bezahlung. Aber auch Betriebsklima, Arbeitsplatzausstatung etc. leisten einen erheblichen Beitrag. (leider ist auch das im öD nicht immer Motivatiosnfördernd)

    @Abgang_2007
    Was stört dich genau, das du als älterer mehr verdienen würdest? Oder das es jemand gibt, der auf einer vergleichbaren Stelle tatsächlich mehr verdient?

  4. geschrieben am 11. August 2008 um 02:02 Uhr | Permalink

    Also je nach dem :) Ich finde als Lehrer verdient man außerordentlich gut für das Studium un den Beruf.

    Ein Richter wird meines Erachtens hingegen miserabel bezahlt auch wenn er absolut etwas mehr verdient.

  5. Ein Beamter
    geschrieben am 24. Oktober 2009 um 18:44 Uhr | Permalink

    @ Badenserbub:

    Würdest du meinen Kommentar genau lesen und dazu auch noch verstehen, dann könntest du dir diese Frage selbst beantworten.

  6. Yvonne
    geschrieben am 21. November 2013 um 11:34 Uhr | Permalink

    Ich finde den Hype um die Verbeamtung ebenso fragwürdig. Seit mehr als 5 Jahren schlage ich mich durch den freien Arbeitsmarkt und treffe gerade, wenn es um bürokratische Fragen geht, auf Beamte, denen nicht viel daran gelegen ist, Eile walten zu lassen. Ich weiß, Schwarz und Weiß Malerei tut keiner Branche gut, doch lohnt nicht ein kleiner Wink des Umdenkens auch in diesem Bereich?


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