Verwaltung.modern

Was passiert in der öffentlichen Verwaltung?

Viel Wind um die Windkraft

Windkrafträder im Schwarzwald, Foto: Steinke

Jeder kennt sie: Die riesigen, langen Windräder, welche im Auge des Betrachters die Landschaft des Schwarzwaldes seit Neustem mit prägen. Sie haben viele Befürworter, aber auch viele Gegner. Anhand der ländlichen Kommune Münstertal im Schwarzwald sollen beide Seiten der Windkraftenergie beleuchtet werden.

Windkraft in Baden-Württemberg

Baden-Württemberg ist bundesweit das Schlusslicht bei der Erzeugung von Strom aus Windkraftanlagen. Aufgrund dieser Tatsache hat Baden-Württemberg ein ehrgeiziges Ziel vor Augen: Bis zum Jahr 2020 sollen zehn statt bisher ein Prozent des Stroms aus Windkraft erzeugt werden. Mit der Landtagswahl am 27. März 2011 begann auch für die Windenergie in Baden-Württemberg ein neues Zeitalter. In naher Zukunft sollen die bisher 380 in Baden-Württemberg bestehenden Windräder auf 1000 Windräder erweitert werden. Für die Ausweisung von Standorten für die Windkrafträder waren bislang die Regionalverbände zuständig. Nun haben dies die Gemeinden selbst in der Hand, was zu einer Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung führt. Dadurch können die Gemeinden durch die Flächennutzungsplanung die Windkraft auf ihrem Gebiet selber steuern.

Das energieunabhängige Münstertal im Schwarzwald

Die Gemeinde Münstertal steht grundsätzlich hinter dem Ziel der Landesregierung, einen bedeutenden Anteil des Strombedarfs aus heimischer Windkraft zu decken. Auf dem Weg zu einem energieunabhängigen Münstertal, das letztlich mehr Energie erzeugen soll als es selbst verbraucht, spielt die Windkraft eine unverzichtbare Rolle. Zu den im Münstertal bereits vorhandenen Energieträgern Sonne, Wasser und Holz fehle nun nur noch die Windkraft, so Bürgermeister Rüdiger Ahlers bei einer Informationsveranstaltung im Mai 2012.

Die Windkraftnutzung ist ein elementarer Bestandteil der Energiewende – auch im Münstertal und hat daher einen sehr hohen Stellenwert. Die Lokale Agenda befasst sich sehr aktiv mit diesem Thema und lässt die Bürgerinnen und Bürger bei Infoveranstaltungen auch zu Wort kommen. Da es sich bei der Windkraft um ein sehr sensibles Thema handelt, ist die Einbindung der Bürger von Anfang an umso wichtiger.

Der Lokalen Agenda war es gelungen, fünf Experten aus dem Bereich der Windkraft und erneuerbarer Energien zur Teilnahme an einer Infoveranstaltung zu gewinnen. In Kurzvorträgen wurde so die Thematik aus allen Blickwinkeln beleuchteten.

In der Zielsetzung sind sich beide Seiten, Befürworter wie Kritiker, im Grunde einig: Verzicht auf Atomkraft, hin zu einem alternativen und regenerativen Energie-Mix aus Bio-Masse, Erdwärme, Holz, Sonne, Wasser und Wind. Meinungsunterschiede gibt es indes bei der Frage, auf welchem Weg und in welcher Zeitspanne dieses Ziel erreicht werden kann.

Windkrafträder im Schwarzwald, Foto: Steinke

Ja zur Windenergie im Münstertal

Die gegründete Planungsgesellschaft ermöglichte die Mitsprache der Bürger im Münstertal. Dadurch blieb das gesamte Projekt in Bürgerhand. Am 27. März 2011 entschieden sich die Münstertäler in einem eindeutigen Bekenntnis von 80 Prozent zur Windkraftnutzung.

Die direkte Demokratie machte dieses eindeutige Ergebnis möglich, da so die Bürger rechtzeitig in die Thematik und den Entscheidungsprozess mit eingebunden wurden.

Vorteile der Windenergie:

Schon allein mit vier Windrädern im Münstertal könnte mehr Strom erzeugt werden, als die gesamte Gemeinde benötigt.

Ebenso sind die wirtschaftlichen Vorteile durch den Bau und den Betrieb der Windräder erheblich. Einerseits bliebe dadurch die Wertschöpfung der Energie im Münstertal und ebenfalls könne mit entsprechenden Gewerbesteuerzahlungen gerechnet werden.

Windkraftanlagen gewähren auch den Landwirten durch die Pachtzahlungen ein Zusatzeinkommen. Die Anlagen tragen aber auch zur Förderung der Landschaftsoffenheit bei. Die tatsächlich verbrauchte Fläche durch Windkraftanlagen ist minimal. Außerdem erfolgt kein Ausstoß von Schadstoffen, wie es bei der Stromerzeugung in Kraftwerken der Fall ist.

Nachteile der Windenergie:

Es gibt aber auch sehr viel Gegenwind, da viele Bürgerinnen und Bürger nicht wollen, dass die hohen Windkrafträder die schönen Erholungsräume verunstalten. Diese würden das Landschafts- und Naturbild nicht nur beeinträchtigen, sondern völlig zerstören. Außerdem bestehen die Befürchtungen, dass der Tourismus darunter leiden werde. Ein weiteres Problem stellt der Artenschutz des besonders schützenswerten Auerhahns dar. Aber auch der Wind selber stellt ein Problem dar denn nicht immer ist er am richtigen Ort in der richtigen Stärke vorhanden. Außerdem lässt er sich nicht speichern, sodass er direkt vor Ort in transportfähigen elektrischen Strom umgewandelt werden muss.

Besucher-Aussichtskanzeln als alternative Lösung

Nach all den Vor- und Nachteilen welche die Windkrafträder mit sich bringen, gilt der Grundsatz, die in Betracht kommenden Bereiche bezüglich ihrer Vereinbarkeit mit Naturschutz, Immission, Verkehrsanlagen und Erholungszonen zu untersuchen. Für die Vereinbarkeit von Tourismus und Windrädern kämen Windräder mit Besucher-Aussichtskanzeln durchaus in Frage.

Der Wind ist ein Geschenk der Natur. Er ist kostenlos, reichlich und dauerhaft zu haben. Die riesigen, langen Windräder sind nun auch auf den Feldern der ländlichen Kommune Münstertal im Schwarzwald zu sehen.

von Miriam Steinke


Einen Kommentar schreiben

Ihre Daten werden niemals an Andere weiter gegeben.
Die Email-Adresse wird nicht angezeigt.
Sie können diese Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>
Notwendige Felder sind so markiert: *

*
*

Böser Kommentar hier? Kommentar melden.