Wer am Samstag, den 14. April 2012, in Kehl verschleierte Frauen und Turban tragende Männer auf dem Weg in die Hochschule sah, wurde nicht etwa Zeuge eines Staatsbesuchs, sondern des UNO-Planspiels MONUdS. Gemeinsam mit dem ITI-RI der Universität Straßburg organisierte der Masterstudiengang Europäisches Verwaltungsmanagement der Hochschule Kehl eine Simulation zum Thema „Syrien und der Arabische Frühling“.
Die etwa 30 Teilnehmer übernahmen dabei die Rolle von Vertretern der verschiedenen Länder, die in die Thematik involviert sind – von Bahrein bis Indien, über Saudi-Arabien bis hin zu Venezuela waren somit die verschiedensten Staaten durch jeweils einen Studierenden vertreten. Grund für die authentische Maskerade einiger Teilnehmer war eine Auszeichnung, die für das beste Kostüm vergeben wurde.
Das Planspiel fand in diesem Jahr zum fünften Mal statt. Studiendekan Prof. Dr. Gert Fieguth betonte während seines Grußwortes, welch gute Übung und Erfahrung es für beide Seiten jedes Jahr sei, gemeinsam das Projekt MONUdS zu organisieren. Dies gelte dabei sowohl für die Studierenden, als auch für die beteiligten Professoren. Er betonte, dass die Initiative des Projekts seinerzeit von einer Studierenden der Hochschule Kehl ausgegangen war. Über die Jahre hat es sich zu einer traditionellen Kooperation zwischen den Hochschulen entwickelt, worüber sich der Dekan sehr freut.
Auch der Verantwortliche für den Masterstudiengang Internationale Beziehungen am ITI-RI Straßburg, Madjid Bouzar, betonte die gewinnbringende Zusammenarbeit der beiden Hochschulen und gab einen Ausblick auf die im Anschluss an das dreitägige Planspiel stattfindende gemeinsame Studienreise nach Brüssel.
Ein zwölfköpfiges Organisationskomitee hatte sich bereits seit Ende Januar regelmäßig in Kehl und Strasbourg getroffen, um die Weichen für das deutsch-französische Vorhaben zu stellen. Die Organisation umfasste dabei nicht nur die Bestimmung der Teilnehmerländer und deren Vertreter, sondern weitere kleine Details wie die Ausstattung der Teilnehmer mit Namensschildern oder die Dekoration des Versammlungsraums.
Der Tag der Veranstaltung selbst begann in Kehl mit einer „interkulturellen Integrierungsrunde“, um die Teilnehmer füreinander zu sensibilisieren. So sollten sich diese während verschiedener Spiele ihrer unterschiedlichen Hintergründe bewusst werden und beispielsweise ein Gefühl für all die verschiedenen Sprachkenntnisse bekommen, über die die einzelnen Mitglieder der Gruppe verfügen.
Nach einer Schweigeminute eröffnete der Präsident der Generalversammlung, Stéphane Kirchherr dann das Planspiel. Nach der Begrüßung durch die Generalsekretärin Katharina Hagel und die Ankündigung des weiteren Programms legte jeder Teilnehmer in einer einminütigen Rede die Haltung seines Landes zum Thema Syrien dar. Auch für diesen Teil des Planspiels war eine Auszeichnung vorgesehen, die im Anschluss Guillaume Jacquot, der Vertreter Indiens, erhielt. Mit seiner Imitation eines indischen Akzents hatte der Student aus Straßburg für einiges Gelächter in der Generalversammlung gesorgt.
Länger als geplant ging sodann die rege Debatte, die auf die Stellungnahmen der einzelnen Länder folgte. Insbesondere die eindringlichen Fragen der Vertreterin Syriens regten die Teilnehmer zum Nachdenken an und führten zu einer engagierten Diskussion. Es herrschte jedoch ein Konsens darüber, dass man „Stabilität, Frieden und Dialog“ in Syrien sichern wolle.
Der zweite Tag des Planspiels fand am ITI-RI in Straßburg statt. An diesem Tag sollten die Ländervertreter in drei verschiedenen Komitees Resolutionsentwürfe zu den Themen Diplomatie, Intervention und Flüchtlinge bearbeiten. Unter der Leitung von jeweils einem Dozenten und einem Sekretär aus dem Organisationsteam wurde in den Komitees ausführlich über die einzelnen Passagen der Entwürfe diskutiert und abgestimmt. Auch Studierende des Instituts für Dolmetscher waren zugegen, um gegebenenfalls zu übersetzen.
Der dritte und letzte Tag fand wiederum am ITI-RI in Straßburg statt. Dieser Termin war ganz der Abstimmung über die endgültige Resolution gewidmet und führte die Teilnehmer in der Generalversammlung zusammen. In ihren Stellungnahmen sprachen die drei Sekretäre der einzelnen Komitees vorab über die erarbeiteten Standpunkte, bevor der Wortlaut der finalen Resolution im Plenum diskutiert wurde. Nach einer erneuten regen Debatte einigte sich das Plenum unter der Leitung des Präsidenten schließlich feierlich auf eine gemeinsame Resolution, die die Arbeit der drei Komitees zusammenführte. Alle drei Gruppen hatten vorab in ihren Diskussionen ein gemeinsames Ziel, die Sicherung des Friedens in Syrien, verfolgt und zeigten sich zufrieden mit dem Endergebnis. – So auch die Dozenten, die sich in einer abschließenden Ehrung zunächst beim Organisationsteam bedankten und im Anschluss jedem Teilnehmer ein Zertifikat überreichten. Zu Recht sprach Caroline Moussa, die Repräsentantin Syriens, von einem „unvergesslichen Erlebnis“, das die deutsche und französische Seite näher zusammengebracht habe.










