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Teilzeitberufsausbildung – Chance für Auszubildende und Unternehmen

Teilzeitarbeit gehört zum alltäglichen Bild unserer Gesellschaft. Die Möglichkeit, eine Berufsausbildung in Teilzeit zu absolvieren, ist aber weitestgehend unbekannt.

Teilzeitberufsausbildung bedeutet eine Verkürzung der wöchentlichen Ausbildungszeit auf 20 bis 30 Wochenstunden. Damit dennoch die gleichen Ausbildungsinhalte vermittelt werden können, muss in der Regel der gesamte Ausbildungszeitraum verlängert werden. Liegt der Anteil der betrieblichen Ausbildungszeit allerdings bei mindestens 75 Prozent, ist eine Ausbildungsverlängerung gesetzlich nicht zwingend erforderlich.

In Baden-Württemberg wurden 2009 gerade einmal 69 der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Teilzeit geschlossen. Das ergibt sich aus dem Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2011 des Bundesinstituts für Berufsbildung. Bundesweit waren es insgesamt 795 Teilzeitberufsausbildungsverträge, was einem Anteil von 0,1 Prozent aller neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge entspricht. Der öffentliche Dienst macht im Verhältnis zu Industrie, Handel und Handwerk vermehrt von der Möglichkeit Gebrauch, in Teilzeit auszubilden. 0,4 Prozent der Ausbildungsverträge im öffentlichen Dienst wurden bundesweit als Teilzeitberufsausbildungsverträge abgeschlossen. Ähnlich sieht es bei den freien Berufen und der Hauswirtschaft aus.

Die Teilzeitberufsausbildung wurde mit der Reform des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) im Jahr 2005 eingeführt. Voraussetzung für die Reduzierung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit ist nach § 8 Abs. 1 S. 2 BBiG das Vorliegen eines berechtigten Interesses des Auszubildenden. Ein solches liegt unter anderem vor, wenn sich der Auszubildende um ein eigenes Kind oder pflegebedürftige nahe Verwandte kümmern muss.

Zur Zielgruppe der Teilzeitberufsausbildung gehören hauptsächlich junge Eltern. Diese sind häufig damit überfordert, gleichzeitig ihrer familiären Verantwortung gerecht zu werden und eine Berufsausbildung zu absolvieren. Besonders stark von diesem Problem betroffen sind die jungen Mütter. Nach einer Studie des nordrhein-westfälischen Frauenministeriums sind junge Frauen mit Kindern deutlich öfter ohne Berufsabschluss als junge Frauen ohne Kinder. Für diese Frauen kann die Teilzeitberufsausbildung eine Chance sein, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Aber nicht nur die Auszubildenden würden von einer größeren Verbreitung der Teilzeitberufsausbildung profitieren, auch für die Unternehmen ergeben sich Vorteile.

Durch das Angebot von Ausbildungsverhältnissen in Teilzeit machen sie sich für junge Eltern attraktiv. Dadurch erschließt sich ihnen eine neue Bewerbergruppe und sie können im Kampf um qualifizierte Auszubildende mit ihrem familienfreundlichen Image punkten. Kleinere Unternehmen, die nicht über die Ressourcen und Kapazitäten verfügen, um Auszubildende in Vollzeit zu beschäftigen, können durch die Teilzeitberufsausbildung ihren eigenen Bedarf an Fachkräften längerfristig sichern.

von Thomas Bischoff


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