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Was passiert in der öffentlichen Verwaltung?

Rich E. Dreben, Murdoc Knight und Marty A. Sindhian: “Als ich mich nackt auf die Haarbürste setzte” (Rezension)

Der Vertiefungsschwerpunkt VII des Bachelorstudiengangs in Kehl beschäftigt sich unter anderem mit dem Thema Krankenhausmanagement. Und zu managen gibt es eine Menge. Zum Beispiel könnte irgendwann die Frage auftauchen, inwieweit eine Krankenversicherung die Kostenübernahme verweigern darf, weil ein Patient Dinge in Unterleibsregionen einführte, wo sie nicht hingehören – und inwieweit die Begründungen des Patienten Vorsatz mutmaßen lassen. Mit 100 objects inserted and ingested in places they shouldn’t be (so der Untertitel der englischen Originalausgabe) beschäftigen sich die Mediziner Dr. Rich E. Dreben, Dr. Murdoc Knight und Dr. Marty A. Sindhian. Titel der deutschen Fassung: Als ich mich nackt auf die Haarbürste setzte, Untertitel: Peinliche Geschichten aus der Notfallambulanz. Geplant wurde das Werk als Lehrbuch, „das sowohl lesefreundlich als auch so verständlich“ ist, „dass man sich die Qualen eines Medizinstudiums sparen“ kann, so das Vorwort des Autorenteams: „Hin und wieder nahmen wir uns die kreative Freiheit, ein wenig Humor oder Drama hinzuzufügen, um Ihnen das Lernen zu erleichtern. Wir weisen Sie deshalb im klassischen Rechtsjargon auf Folgendes hin: ’Die Geschichten dieses Buchs beruhen zwar zum Großteil auf wahren Begebenheiten, sind jedoch technisch gesehen fiktional und stellen keine tatsächlichen Personen, Vorkommnisse oder Rekta dar.’“

In der Einleitung ihres Buches weisen die Autoren ferner darauf hin, dass „verschluckte Fremdkörper allgemein üblicher als ’festgeklemmte’, eingeführte Gegenstände“ seien. „Aufgrund ihres geringeren pädagogischen Nutzens haben wir verschluckte Kleinteile jedoch trotzdem weniger oft aufgeführt.“ Immerhin aber entfallen auf die verschluckten Gegenstände 30 der 100 Fälle. Vier weitere sind völlig off topic, weil es in Ihnen um während einer OP zurückgelassenes Chirurgenwerkzeug geht (Schere, Arterienklemme), einen Augapfel, der mit einem Schlüssel penetriert wurde, oder um Kleinteile einer Zahnspange, die beim Atmen in der Lunge landeten: „Es versteht sich von selbst: Wenn die Lungenfunktion gestört wird und Sie blau anlaufen, können Sie nicht gut aussehen, egal wie schön Ihr Lächeln ist.“ Auch bei den verschluckten Gegenständen selbst fallen zwei Fälle aus dem Rahmen, weil es in ihnen um Hunde geht: einen, der ein Messer, einen anderen, der einen Deko-Stern verschluckte. Bei den restlichen 28 Verschluckungs-Fällen lernen wir Zweibeiner dagegen unter anderem, dass Gegenstände, die größer als circa 5 x 2 cm sind, im Normalfall nicht mehr auf natürlichem Wege ausgeschieden werden. „Alles, was kleiner ist, kommt meistens von ganz alleine wieder aus dem Körper – obwohl auch hier ein medizinischer Beistand vonnöten sein kann, falls es sich um scharfe oder sich zersetzende Objekte handelt.“ Zu den scharfen Verschluckungs-Gegenständen dürfte das eine oder andere von insgesamt 78 Besteckteilen gehören, die in einer Frau gefunden wurden, oder ein Thunfischdosendeckel, oder eine Rasierklinge. Jawohl, Sie haben richtig gelesen: eine Rasierklinge. „Man sollte meinen, eine Rasierklinge sei das absolut Letzte, was irgendjemand schlucken möchte. Basierend auf unseren Erfahrungen müssen wir allerdings feststellen, dass man in solchen Fällen besser keine Meinung hat, denn die Menschen schlucken einfach alles.“ Das Autorenteam glaubt, dass neben Besteckteilen Münzen beim Verschlucken besonders ’beliebt’ seien. Das Verschlucken von Münzen (die ja normalerweise weit unter der Grenze 5 x 2 cm liegen) könne weniger harmlos sein, als man glaubt. „Es wurden einige Fälle von Zinkvergiftungen aufgrund des Verschluckens von Pennys nachgewiesen, außerdem [gab es] mindestens einen Todesfall aufgrund des chronischen Schluckens von 425 Pennys“. Ob da jemand wohl seine Pennys fortschmuggeln wollte? Verschlucken ist nämlich ein beliebtes Mittel, Dinge vorübergehend unsichtbar zu machen. Beispielsweise bei einem „Patienten, der Crack geraucht und die Droge nicht nur inhaliert, sondern sogar die Pfeife mitverschluckt hat“, auf dass sie die Polizei nicht bei ihm finde…

Delikater als die Verschluckungsfälle sind die 66 vom Autorenteam geschilderten Fälle, in denen ein Rektum mit einem Gegenstand traktiert wurde, der dort nicht hingehörte. „Um ehrlich zu sein, passiert es relativ häufig, dass Gegenstände im Körper verloren gehen“, stellt das Autorenteam fest und weist darauf hin, dass rektale Fremdkörper dermaßen oft vorkämen, dass sie in den USA ihren eigenen Bereich auf der E-Learning-Website emedicine.medscape.com besäßen. „Statistisch gesehen befinden sich solche Fremdkörper am wahrscheinlichsten entweder im Körper eines Mannes in den Zwanzigern, der alles tut, um sich zu stimulieren oder zu entspannen, oder im Körper eines Sechzigjährigen, der alles tun würde, um seine Prostata zu stimulieren oder zu entspannen.“ Natürlich kommen in dem Buch Als ich mich nackt auf die Haarbürste setzte Fälle vor, die ich so oder so ähnlich schon aus zweiter Hand während meines Zivildienstes im Krankenhaus kennenlernte, beispielsweise der ’Rektalfremdkörper-Klassiker’ Kerze, der sich dorthin verirrt, wo die Sonne nie scheint. Ebenfalls bestätigen könnten meine Krankenhaus-Quellen folgende Aussage in Als ich mich nackt auf die Haarbürste setzte: „Wenn man bedenkt, wie viele Beispiele von eingeführten Flaschen wir allein in diesem Buch haben, ist solch ein Anblick für keinen Spezialisten mehr eine Überraschung.“ Allerdings reicht der ’Rektalfremdkörper-Klassiker’ Flasche manchem nicht mehr. „Flaschen haben wir schon gesehen, Tassen und so ungefähr jedes Gefäß, das in ein Gesäß passt.“ Ein Essiggurkenglas, wie es im Rektum eines Patienten steckte, dagegen bis dahin noch nicht. „Die Geschichte, die er uns auftischte, war die folgende: Er besaß ein Glas Essiggurken, das partout nicht aufgehen wollte, die Kraft seiner Hände war einfach nicht groß genug. Da begann er scharf darüber nachzudenken, in welchem Körperteil er wohl mehr Kraft haben könnte. Schließlich kam ihm die Stelle in den Sinn, die am allerfestesten zupacken kann, und er machte sich daran, sie in Gebrauch zu nehmen. Unglücklicherweise konnte er dann mit seinen schwachen Händen das Glas selbst nicht mehr festhalten“, so dass es in den Tiefen seines Gaskanals verschwand. Das geht? Ja, das geht. „Haut und Schleimhäute verfügen normalerweise über gewisse viskoelastische Eigenschaften. Wenn man also lange und kräftig genug drückt, kann man überraschend große Gegenstände durch einen relativ kleinen, aber eben viskoelastischen Raum bewegen. […] Selbstverständlich hat auch diese Eigenschaft ihre Grenzen. Ab einer gewissen Größe passt kein Gegenstand mehr durch die Öffnung, ohne Risse oder sonstige Schäden zu verursachen.“ Zu den erstaunlichsten in dem Buch aufgeführten Rektalfremdkörpern gehören meiner Ansicht nach ein Revolver („Ob es sich wohl um einen kuriosen Suizidversuch gehandelt haben mag?“), ein Deospray mit leicht entzündlichem Alkohol („Gut möglich, dass dieser Patient sich im uralten Ritual des Furzanzündens übte“) oder ein Mobiltelefon: „Es scheint hitzige Debatten darüber zu geben, ob nun iPhones oder Android-Geräte besser dazu geeignet sind, das Rektum zu stimulieren. Wir sagen: Hauptsache, Sie schalten die Kamera aus“, kalauern die Autoren und schreiben mit Blick auf einen ihrer Fälle: „Überrascht es irgendjemanden, dass es auf Vibrieren gestellt war?“

Jeder Fall in Als ich mich nackt auf die Haarbürste setzte ist mit einer Röntgenaufnahme versehen, die manchmal von der Grafikerin des Autorenteams aufgemotzt wurde, um den ’gesuchten’ Gegenstand deutlicher herauszuarbeiten. Außer ihm und dem Skelett ist in der Röntgenaufnahme nichts zu erkennen, die Fälle sind diskret gehalten. Mit einer Danksagung und einem Quellenverzeichnis schließt das Buch, bei dessen Lektüre es sicherlich hilfreich ist, ein Faible für jenen pubertär angehauchten Humor zu haben, den man ’geschmacklos’ nennt, wenn man ganz schrecklich erwachsen und seriös geworden ist. Aber was heißt seriös anderes als ’ernsthaft’? Und dass es um ernsthafte Fragen in diesem lustig aufgemachten Buch geht, daran lassen die Autoren keinen Zweifel, denn „auch wenn wir Sie jederzeit gerne an interessanten medizinischen Phänomenen wie diesem hier teilnehmen lassen, so wünschen wir uns eine Welt, in der so etwas nicht mehr passieren würde“.

ISBN 978-3-404-60723-5, EUR 9.99

2 Kommentare

  1. StevenGeace
    geschrieben am 25. Mai 2018 um 15:12 Uhr | Permalink

    http://earthfoodstore.ca/index.....ice-online

  2. geschrieben am 13. August 2018 um 19:44 Uhr | Permalink

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    And he in fact ordered me lunch because I stumbled upon it for him…

    lol. So allow me to reword this…. Thanks for the meal!!
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