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Was passiert in der öffentlichen Verwaltung?

Gedanken zur Entwicklung des Bürgermeisterberufs in Baden-Württemberg

In der Verwaltungszeitung Baden-Württemberg, Ausgabe Nr. 5, Dezember 2005 und Ausgabe Nr. 6, Februar 2007 habe ich einen Beitrag zum Thema „Gedanken zur Entwicklung des Bürgermeisterberufs in Baden-Württemberg” veröffentlicht.

In diesem Beitrag wurde zunächst auf die Entwicklung der Kommunalverfassungen in den deutschen Ländern hingewiesen und dabei festgestellt, dass in allen Flächenländern der Bundesrepublik Deutschland die Direktwahl des Bürgermeisters eingeführt wurde und die süddeutsche Ratsverfassung mehr oder weniger übernommen worden ist. Die Stellung des Bürgermeisters in der süddeutschen Ratsverfassung ist eine starke, da er Mitglied und Vorsitzender des Gemeinderats ist, außerdem Chef der Verwaltung und Repräsentant und Rechtsvertreter der Gemeinde. Es wurde darauf hingewiesen, dass unterschiedliche Wahlsysteme unterschiedliche „Typen” von Bürgermeistern zu Wege bringen. In den Bundesländern, die früher nicht direkt gewählte, sondern vom Rat gewählte Bürgermeister hatten, waren es in der Regel die Parteifunktionäre die in Amt und Würden kamen. So waren es in Nordrhein-Westfalen beispielsweise vielfach Lehrer, die als Bürgermeister gewählt wurden. Der Wähler präferiert in den Ländern, in denen die Direktwahl Tradition hat, wie z.B. Baden-Württemberg und Bayern bei Bürgermeisterwahlen eher den von außen kommenden neutralen Verwaltungsfachmann, der möglichst unabhängig ist und in der Gemeinde keine Verwandtschaft und Freundschaften hat. Je kleiner die Gemeinde ist, desto jünger sind die Bürgermeister bei Amtsantritt. Das gesetzlich vorgeschriebene Mindestalter liegt bei 25 Jahren. Die Hälfte aller Bürgermeister in Baden-Württemberg sind parteilos, die anderen gehen durchaus auf kritische Distanz zu ihrer Partei.

Frauen sind im Bürgermeisteramt eher rar. Mit der Oberbürgermeisterin der Stadt Heidelberg, Beate Weber, die zwischenzeitlich im Ruhestand ist, hat vor 16 Jahren die erste Frau einen Chefsessel im Rathaus erobert. Zwischenzeitlich sind 32 Frauen in Baden-Württemberg Bürgermeisterinnen bzw. Oberbürgermeisterinnen.

Wohin wird sich nun in der Zukunft das Berufsbild des Bürgermeisters entwickeln?

Der Bürgermeister der Zukunft wird nicht mehr ein Bürgermeister sein, der auf vielen Baustellen unterwegs ist, viel Geld seiner Gemeinde für Bauinvestitionen ausgibt und Bauaufsicht auf vielen Baustellen betreibt, wie das noch vor 10 Jahren der Fall war. Er wird sich vielmehr anderen – ebenfalls interessanten – Aufgaben widmen. So wird er beispielsweise ein Moderator von Bürgerbeteiligungsprozessen sein. Er wird versuchen, möglichst viele Bürger aktiv in das Geschehen der Gemeinde einzubeziehen.

Der Bürgermeister der Zukunft sollte ein „Motivator” sein. Er muss es verstehen, die Bevölkerung genauso einzubinden wie den Gemeinderat und sonstige Gremien, wie Kuratorien von Kindergärten, Elternbeiräte etc. Der Bürgermeister der Zukunft muss auch ein hohes Maß an Sozialkompetenz besitzen. Er muss geschickt mit Menschen umgehen können und Einfühlungsvermögen haben. Wichtig ist es auch, dass er überzeugen kann und Teamfähigkeit besitzt. Der Bürgermeister wird auch in Zukunft der „Motor” der Gemeinde bleiben, der die notwendigen Antriebsenergie entwickeln muss, um vorwärts zu kommen. Er muss der Ideenfinder bleiben, der Vordenker und Impulsgeber. Insgesamt kann man den Bürgermeister der Zukunft als „Vollblutmanager mit menschlichen Zügen” charakterisieren.

Vielleicht eine interessante Feststellung zum Schluß: 85 % der Bürgermeister in Baden-Württemberg sind gelernte Verwaltungsfachleute, die meisten davon Diplom-Verwaltungswirte (FH) aus den Fachhochschulen Kehl und Ludwigsburg.

Der komplette Artikel kann hier heruntergeladen werden: Die Entwicklung des Bürgermeisterberufs – von Prof. Paul Witt.

1 Kommentar

  1. geschrieben am 28. April 2007 um 13:17 Uhr | Permalink

    Was zeichnet Bürgermeister im Web 2.0 aus?

    Transparenz und Engagement: Bürgermeisterblogs

    Eine informativ und partizipativ gestaltete kommunale Internetpräsenz.

    Unterstützung und Einbeziehen bürgerschaftlichen Engagements: Stadtwikis.

    Abkehr von der öffentlichen Verwaltung 1.0: Weg mit Schreibmaschinen und weg mit der Forderung nach “kaffeekochenden Mitarbeitern” (vgl. hier).

4 Trackbacks

  1. von E-Government im Web 2.0 am 28. April 2007 um 12:10 Uhr

    Bürgermeisterblog verschollen…

    Beginnen möchte ich mit ein paar Fragen:

    Ist die Community eines Bürgermeisterblogs ein übergroßer Stammtisch?
    Was veranlasst Menschen dazu, anonym persönliche Meinungen zu hinterlassen, die ohne Umschweife persönliche Angriffe enthalten, und gl…

  2. [...] Paul Witt von der Fachhochschule Kehl beschreibt auf verwaltungmodern.de die künftigen Aufgaben eines Bürgermeisters, der eine Mittlerrolle zwischen Kommunalpolitik, Verwaltung und Bürgern einnimmt: “So wird [...]

  3. von |X|  Bürgermeister am 24. August 2009 um 16:44 Uhr

    [...] auch8 Einzelnachweise9 Literatur zu ” id=”Weblinks zu zu “> Weblinks zu zu Paul Witt auf Verwaltungmodern.de – Die Entwicklung des Bürgermeisterberufs in Baden-Württemberg. Wiktionary: [...]

  4. von       |>> Bürgermeister am 28. September 2009 um 05:34 Uhr

    [...] Welt6.2 Niederlande6.3 Rumänien7 Siehe auch8 Einzelnachweise9 Literatur zu “>Weblinks zu zu Paul Witt auf Verwaltungmodern.de – Die Entwicklung des Bürgermeisterberufs in Baden-Württemberg. Wiktionary: [...]


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