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Was passiert in der öffentlichen Verwaltung?

„Die Globalisierung rollt über uns hinweg” – Unternehmer Hans Nußbaum referiert an Kehler Hochschule

„Wir stehen mitten im Prozess einer globalen Verteilungsgerechtigkeit”. Hans Nußbaum, erfolgreicher Unternehmer und Erfinder der sogenannten Smarttürme, legte im studium generale an der Kehler Hochschule für öffentliche Verwaltung seine Sicht der Dinge im Zeitalter der Globalisierung dar. Dabei brachte er eine Menge an eigenen Erfahrungen in seinen Vortrag mit ein, zeigte aber auch theoretische und philosophische Ansätze.


Zunächst ging er der Frage nach, welche Aspekte unter den Begriff Globalisierung fallen. Die rasend schnelle Entwicklung der Kommunikationswelt durch das Internet, die Tatsache dass Porsche in der Slowakei ein Auto fast fertig produziere und in Leipzig dann nur noch die Räder daran geschraubt würden, der Neubau einer Moschee in Kehl: All dies seien Zeichen der Globalisierung.

Begünstigt worden sei der Globalisierungsprozess durch den Wegfall des Ost-West-Konfikts. Damit einher ging die Liberalisierung der Märkte. „Durch die Entwicklung der modernen Kommunikations- und Transportmittel ist die Welt auf ganz klein zusammengeschrumpft”, so Nußbaum. Selbst Billigprodukte würden weltweit um die Erde transportiert.

Die Risiken und Negativerscheinungen der Globalisierung machte Nußbaum an der aktuellen Krise der internationalen Finanzmärkte deutlich. „Es kann uns Angst und Bange werden”, so seine Einschätzung. Die wahre Dimension der Krise sei noch kaum überschaubar.

Als positive Effekte der Globalisierung nannte Nußbaum den insgesamt weltweit ansteigenden Wohlstand bei steigenden Einkommen, die teilweise Beseitigung sozialer Missstände in Schwellenländern, die sinkenden Weltmarktpreise auf dem Warenmarkt und das steigende Bildungsniveau. Trotzdem gebe es in aufstrebenden Wirtschaftsnationen wie China und Indien immer noch Armut und Hunger. Vor allem in Indien klaffe da eine große Lücke, wie er selbst kürzlich bei einem Besuch auf der Automobilmesse in Delhi erleben musste. „Vier Inder gehören inzwischen zu den zehn reichsten Männer der Welt. Trotzdem hungern Millionen Hindus im unüberbrückten Kastensystem”.

Angst durch den Aufstieg Chinas und der dort gängigen Produktpiraterie habe er für sein Unternehmen nicht. Kopieren sei für Chinesen nicht verwerflich. Im Gegenteil: Nach der konfuzianischen Lehre sei es ein großes Lob für den Urheber, wenn er kopiert werde, schließlich solle man von den Besten lernen. „Unsere Hebebühnen sind schon früh kopiert worden. Unsere Maxime ist es deshalb, immer einen Vorsprung von drei bis vier Jahren beim Know-how und der Produktentwicklung zu halten”, so Nußbaum.

Die Frage nach Gerechtigkeit in einer globalisierten Welt, bleibe eine philosophische. Was allerdings verhindert werden müsse, sei der ungebremste Aufprall der Kulturen in der durch die rasante Kommunikationsgeschwindigkeit des Internet geprägten Welt. Erfolgsfaktor im globalen Wettbewerb sei und bleibe die Bildung. „Der kulturelle Crash muss verhindert werden. Voraussetzung dafür ist Bildung, Bildung und nochmals Bildung”, so Nußbaum eindringlich zum Abschluss seines Vortrags.


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