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Was passiert in der öffentlichen Verwaltung?

Der Schreibtisch knackst, der Sessel knarrt – Demographischer Wandel im öffentlichen Dienst

Ein Mann in vorangeschrittenem Alter, der nachdenklich wirkt.

nachdenklich, Quelle: www.sxc.hu

Seit 1991 wird im öffentlichen Dienst kontinuierlich Personal abgebaut. Das Durchschnittsalter der Beschäftigten steigt an und es fehlt an Nachwuchskräften. Bereits 2006 waren mehr als die Hälfte aller, im öffentlichen Dienst Beschäftigten, über 44 Jahre alt. Besonders in den Landes- und kommunalen Ebenen sind die Auswirkungen dieser personalen Veränderung deutlich zu spüren.


Studienergebnisse

Die Prognos AG erstellte im Jahr 2009 im Auftrag der Robert Bosch Stiftung die Studie „Demographieorientierte Personalpolitik in der öffentlichen Verwaltung“.

http://www.bosch-stiftung.de/content/language1/downloads/Demographieorientierte_Personalpolitik_fuer_Internet.pdf

Festgestellt wurde, dass die Gesamtbevölkerung kontinuierlich abnimmt. Dies hängt vor allem mit der rückläufigen Geburtenrate zusammen. Dadurch kommen deutschlandweit immer weniger Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt nach. Die Folge: Das Durchschnittsalter des Personals steigt. Dies hat Auswirkungen, auch auf den öffentlichen Sektor.

Die Personalzusammensetzung des öffentlichen Dienstes

Der öffentliche Dienst stellt mit knapp 4,6 Millionen Beschäftigten Deutschlands größter Arbeitgeber dar (Stand 2006). Davon sind rund 3,8 Millionen Mitarbeiter im unmittelbaren öffentlichen Dienst beschäftigt. Dies entspricht 83 Prozent des gesamten Personals im öffentlichen Sektor, mit dem sich die Altersstrukturanalyse der Prognos AG beschäftigte.

Unter den unmittelbaren öffentlichen Dienst fallen alle Verwaltungsaufgaben, die vom Staat selber durch seine Behörden wahrgenommen werden. Mittelbare Verwaltung wird hingegen von anderen Rechtsträgern, wie den Körperschaften, Stiftungen oder Anstalten ausgeführt.

Beschäftigung bei Bund, Länder und Kommunen

Rund zehn Prozent der Mitarbeiter des unmittelbaren öffentlichen Dienstes sind auf Bundesebene beschäftigt. Dies entspricht circa 477.000 Arbeitnehmern (Stand 2006).

Hiervon ist bereits grob ein Drittel der Beschäftigten über 50 Jahre alt. Aus dem Regierungsprogramm von 1998 „Moderner Staat – moderne Verwaltung“ resultiert das, noch heute bestehende Ziel, jährlich 1,5 Prozent der Planstellen einzusparen. Erreicht wird dies durch die Nichtbesetzung freiwerdender Stellen.

Rund 2,1 Millionen Mitarbeiter, dies entspricht mehr als der Hälfte aller Beschäftigten des unmittelbaren öffentlichen Dienstes, sind auf Länderebene tätig. Davon sind rund 62 Prozent aller Landesmitarbeiter verbeamtet. Der größte Personalbestand ist auf dieser Ebene im Bereich der Schulen und der Polizei zu finden.

Auf kommunaler Ebene sind rund ein Drittel der gesamten Mitarbeiter von Bund, Länder und den Gemeinden beschäftigt. Den Großteil des Personals (86 Prozent) bilden hier die Angestellten.

In Westdeutschland werden in den kommenden 16 Jahren voraussichtlich knapp 50 Prozent der kommunalen Mitarbeiter in Ruhestand gehen. Die Gemeinden in Ostdeutschland sind noch stärker von dem demographischen Wandel betroffen.

Die Altersstruktur der Hierarchieebenen

Die Alterung des Personals ist gerade in den Führungsebenen stark zu spüren. Schaut man sich die Altersstruktur der Ministerialverwaltungen an, so wird in den kommenden sieben Jahren rund ein Drittel der Beschäftigten in den westdeutschen Ländern in den Ruhestand gehen. In ostdeutschen Ländern werden es rund ein Viertel der Beschäftigten sein.

Geschlechtsspezifische Altersstruktur

Künftig scheiden tendenziell mehr männliche als weibliche Mitarbeiter aus dem Dienst aus. Dies liegt vor allem an dem verhältnismäßig geringen Anteil älterer Frauen, die im öffentlichen Dienst beschäftigt sind. Es rücken jedoch vergleichsweise viele junge Mitarbeiterinnen nach. Während rund 22 Prozent der Frauen unter 35 Jahre alt sind, gibt es demgegenüber lediglich 9 Prozent an männlichem Nachwuchspersonal.

Stand der Beschäftigungsverhältnisse

In den vergangenen 15 Jahren gab es 44 Prozent weniger Angestellte, dafür aber 16 Prozent mehr Beamte. Die Altersstruktur ist in beiden Beschäftigungsverhältnissen jedoch nahezu identisch.

Ursachen des Beschäftigungsrückgangs

Gründe für den Personalrückgang der letzten 15 Jahre waren sowohl die Ausgliederung und Privatisierung als auch der generelle Personalabbau. Es kam vermehrt zu sogenannten Einstellungsstopps, wodurch frei werdende Stellen nicht neu besetzt wurden. Zusätzlich wurden Frühverrentungsmöglichkeiten reduziert.

Das Resultat

Im gesamten öffentlichen Dienst steigt das Durchschnittsalter an. Bereits ein Drittel der Mitarbeiter ist über 50 Jahre alt. Die Folge: Vor allem die Landes- und kommunale Ebene steht einer großen Pensionierungswelle gegenüber. Auf Grund eines zusätzlich bestehenden Nachwuchsmangels muss bis zum Jahr 2030 mit 5,5 Millionen fehlenden Arbeitskräften gerechnet werden. Aussichten, die eine Reaktion des öffentlichen Sektors fordern.

von Regina Hartmann


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