
Claudia Hübner
„Warum soll es nicht möglich und normal sein, dass die jungen Menschen von heute schon während ihrer Studienzeit Kinder in die Welt setzen?” Mit dieser Aussage hatte Claudia Hübner, die Staatsrätin der baden-württembergischen Landesregierung für Demografischen Wandel und für Senioren das Schmunzeln der Studierenden der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl herausgefordert. Die Staatsrätin machte anlässlich ihres Besuchs im Ortenaukreis an der Hochschule Kehl einen Zwischenstopp, um mit den künftigen Führungskräften in der öffentlichen Verwaltung über die Herausforderung durch den demographischen Wandel und die zunehmende Alterung der Bevölkerung im Land zu diskutieren und diese rechtzeitig für das Thema zu sensibilisieren. Staatsrätin Hübner betonte bei ihrem Vortrag diesen Sachverhalt als Herausforderung für die Entscheidungsträger in der Gesellschaft. „Für Baden-Württemberg und jeden einzelnen Landkreis ist es entscheidend, dass die erfolgreiche Bewältigung der Herausforderungen des demographischen Wandels gelingt”, so die Staatsrätin. In demographischer Hinsicht sei es ihrer Ansicht nach im Hinblick auf die Altersentwicklung in der Gesellschaft bereits 30 Minuten nach 12. Aus diesem Grund könne auch ein kurzes Geburtenhoch neun Monate nach der letzten Fußballweltmeisterschaft nicht über diesen Sachverhalt hinwegtäuschen. Bis zum Jahr 2050 sei in Baden-Württemberg mit einer Million weniger Einwohnern zu rechnen, was der zweifachen Einwohnerzahl der Landeshauptstadt Stuttgarts entspreche. „Aus einem horizontalen Generationenmiteinander wird ein vertikales”, so Hübner. Die Staatsrätin mahnte an, dass sich die Wertediskussion ändern müsse, Gegen- und Anpassungsstrategien entwickelt, der Altersbegriff neu definiert und Anreize wie beispielsweise im Nachbarland Frankreich geschaffen werden müssten, damit wieder mehr Kinder im Land geboren werden.
Jedoch kann dies nicht allein durch finanzielle Entlastungen bewirkt werden. Wichtig sei es in erster Linie generell, dass das Ansehen von Familien mit Kindern gestärkt werde. „Uns muss klar werden, dass wir innovative Konzepte der Wirtschaft, der Verwaltung und von allen anderen betroffenen Institutionen brauchen, um den demographischen Wandel als positives Merkmal unseres Landes werten zu können. Jede und jeder Einzelne ist gefordert, sich einzubringen”. Staatsrätin Hübner macht weiterhin darauf Aufmerksam, dass Jeder mit offenen Augen durch seine Kommune gehen und auf nicht generationengerechte Dinge achten könne. „Wir brauchen künftig nicht mehr Schülernahverkehr, sondern mehr Beförderungsmöglichkeiten für Senioren”, erklärt Hübner.
Im Anschluss an den Vortrag fand eine Diskussionsrunde statt, wobei die Studierenden dort vor allem hinterfragten, welche Rolle die Politik überhaupt bei Lösungsansätzen zur Steigerung der Geburtenrate erbringen könne oder ob es nicht auch eine Mentalitätsfrage unserer Gesellschaft sei, zunächst Sicherheiten haben zu wollen, bevor das Risiko der Familiengründung eingegangen werde. Eine Studierende äußerte sich hierzu und betonte, dass Umdenkstrategien von Nöten seien und keinerlei Anpassungsstrategien, um eine Veränderung hervorrufen zu können. Die Wertediskussion sei natürlich notwendig, jedoch müssten seitens der Verwaltung und der Politik auch Anreize geschaffen werden. Überlegenswert sei beispielsweise die Abschaffung der Kindergartengebühren.
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