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Was passiert in der öffentlichen Verwaltung?

Das Leben eines Beamten

 

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Quelle: aboutpixel.de / steuerfahndung © Thomas Pieruschek

Der Ursprung des zusammengesetzten Hauptwortes geht auf die Wörter „Be”lastung und „Amt” zurück. Äußerlich erkennbar ist der Beamte durch seinen wenig geschmackvollen Kleidungsstil, sein Äußeres lässt auf konservative Einstellung schließen, er meidet Sport und reagiert auf Wörter wie „Dienstaufsichtsbeschwerde” und „Klage beim Verwaltungsgericht” allergisch und zu aller Erstaunen mit einem Mal freundlich. So die Meinung der „Stupidedia, die Enzyklopädie ohne Sinn”.

Arbeiten Beamte tatsächlich weniger als Angestellte in der freien Wirtschaft? Schenkt man den Aussagen der Beamten Glauben, nein.Es gibt wohl kaum eine Berufsgruppe, die einen so schweren Alltag zu meistern hat, wie Menschen, die im öffentlichen Dienst beschäftigt sind. Morgens wird erst einmal ausgiebig gefrühstückt, um den Geburtstag eines netten Kollegen zu feiern, 2 Stunden später ist es Zeit für eine kleine Kaffeepause, um mit den Mitarbeitern über die ungeduldigen Bürger zu tratschen. Pünktlich um 10 Minuten vor 12 verabschieden sich die Beamten zum Mittagessen, um eine deftige Mahlzeit zu genießen. Natürlich geht das nicht unter 1,5 Stunden, schließlich war der Morgen mal wieder so anstrengend, dass man eigentlich nur noch den Feierabend herbeisehnt.

Um 15:00 Uhr ist dann Kaffeepause mit Süßen Stückchen aus der nahe gelegenen Bäckerei. Schließlich soll man die örtlichen Familienbäcker unterstützen!

Um 17:00 wird ordnungsgemäß ausgestempelt, und die total überarbeiteten Beamten eilen nach Hause, um die Vorabendserie nicht zu verpassen. Die haben sie sich schließlich auch verdient nach einem so anstrengenden Tag wie diesem! So etwas wie Sport wäre da natürlich zu viel verlangt! Es graut ihnen schon vor dem morgigen Tag.

Sieht so das Leben eines Beamten heutzutage aus? Oder ist dies nur das Gespött der Menschen, die eigentlich nur neidisch sind auf den Beamtenstatus und sich als Bürger nicht verstanden und genug anerkannt fühlen?

Woher kommt die vorherrschende öffentliche Meinung, dass sich Beamte ein schönes Leben machen, mit dem Wissen, nicht entlassen werden zu können?

Man hört und liest ja viel über Beamte, und so war auch ich gespannt auf mein Leben als Beamtin auf Widerruf und das Arbeitsleben im Rathaus.

Dort angekommen, hatte ich die ersten Wochen viel zu tun. Alles war so neu, ich bekam viel erklärt, durfte die eine oder andere Aufgabe selbst erledigen. Doch schon nach ein paar Wochen war dieses Hoch vorbei. Keiner der Mitarbeiter hatte eine Aufgabe für mich. Um mich einzuarbeiten, sei keine Zeit, denn das sei alles hochkompliziert, und schließlich werde ich in zwei Wochen schon in die nächste Abteilung wechseln.

Ich suchte mir also selbst Arbeit und nahm mir das Gesetz zur Hand, um besser verstehen zu können, was die Mitarbeiter auf dem Rathaus den lieben langen Tag zu tun hatten.

Ich nahm mir das Gesetz und las es von vorn bis hinten durch. Wer das schon einmal getan hat, weiß, wie einschläfernd das ist. Als ich meinen Kopf vor Müdigkeit kaum noch halten konnte, beschloss ich, das Gesetz abzuschreiben. Ich hatte erst vor Kurzem das 10-Finger-System gelernt, da konnte ein wenig Übung nicht schaden. Nachdem ich das Gesetz abgetippt hatte, nahm ich mir die Dienstanweisung und schließlich alles, was mir in die Finger kam.

Ich wusste nicht, dass man von einem solch langweiligen Tag tatsächlich so müde wird! Nun kann ich die Beamten verstehen, wenn sie sich überarbeitet fühlen! Für meine Fingerfertigkeit an der Tastatur war die Übung sehr gut, doch ansonsten war es ein Reinfall. Wird mein Alltag später wirklich so eintönig und langweilig? Studiere ich dafür?

Irgendwann fing ich an, darum zu betteln, Kaffee kochen oder kopieren zu dürfen! Ich fühlte mich besser, sobald ich irgendetwas tat. Doch dann hatte wirklich jeder eine Menge Koffein intus, und alles war kopiert!

Beamte wehren sich vehement gegen die Vorwürfe, die ihnen die Öffentlichkeit macht. Schließlich arbeiten Beamte 41 Wochenstunden, in Bayern sogar 42! Das ist weitaus mehr als in vielen Betrieben gearbeitet wird.

Mit Sicherheit lag es auch daran, dass ich schließlich nur eine Praktikantin war und es sich kaum lohnte, mich einzuarbeiten, da ich nach ein paar Wochen sowieso die Abteilung wechselte. Ich kann verstehen, dass man keine Lust hat, alle paar Wochen einen anderen Praktikanten einzulernen.

Natürlich entspricht es nicht der Wahrheit, dass Beamte den lieben langen Tag nur essen und tratschen. Doch trotzdem denke ich, dass es Zeit für einen frischen Wind in den Ämtern (ach nein: Fachbereichen!) ist! Es ist Zeit, die Nörgeleien über die Überarbeitung zu beenden, und die positiven Seiten des Beamtentums zu erkennen. Ich denke, es ist gerecht, wenn man von Beamten verlangt, etwas mehr zu arbeiten. Schließlich müssen sie keine Angst um ihren Job haben, wie viele andere in diesen Zeiten.

Auch sollte man sich im öffentlichen Dienst nicht so stark gegen Neuerungen wehren. Im Wandel der Zeit muss man Veränderungen entgegentreten und sie annehmen. Das gilt für die Privatwirtschaft ebenso wie für den öffentlichen Dienst.

In mancherlei Hinsichten kann sich der öffentliche Bereich ein Beispiel an der Privatwirtschaft nehmen. Hinsichtlich der Qualifikation der Beschäftigten, die Zahl der Mitarbeiter und vielleicht könnte auch ein wenig Druck auf dem Amt nicht schaden. Schließlich gehört auch das zur Mitarbeitermotivation. Wenn sich Beamte mehr um ihre Einstellung und ihre Position bemühen müssen, kann das für die Motivation und das Arbeitsklima von Vorteil sein.

Erst wenn dies erreicht ist, kann man sich die Anerkennung in der Öffentlichkeit auch wünschen.

7 Kommentare

  1. geschrieben am 4. Juni 2009 um 12:52 Uhr | Permalink

    Eine sehr interessante Meinung. Gerade zur Diskussion, was haben Praktikanten zu tun etc. gibt das noch einmal neue Einblicke. Siehe auch: Verwaltungspraktikanten – Ressource oder Belastung

    Die öV macht sich nicht die Mühe, zu erkennen, was ein Mitarbeiter (egal ob Praktikant, Angestellter oder Beamter) gut kann, wo seine Interessen sind, welche Verbesserungen durch ihn erreicht werden könnten, das ist schade.

    Gerade Praktikanten können schon viel frischen Wind bringen, wenn man sie denn lässt.

  2. geschrieben am 12. Juni 2009 um 08:16 Uhr | Permalink

    Süffisant geschrieben. Allerdings habe ich in der Realität von den meisten Beamten, die ich kennen gelernt habe, ein sehr positives Bild, auch was ihre Leistungsbereitschaft angeht.

  3. Elisabeth
    geschrieben am 12. Juni 2009 um 13:52 Uhr | Permalink

    Natürlich habe aber auch ich Beamte kennen gelernt, deren Leistungsbereitschaft hoch ist und die sich Zeit für mich nahmen. Und ich habe auch nicht die ganzen 6 Monate nur Gesetze angeschrieben. Jedoch war meine Erfahrung im Rathaus eher ernüchternd und viele Vorurteile wurden bestätigt. Ich hoffe sehr auf eine bessere Erfahrung im zweiten Praxisblock.

  4. Ein Beamter
    geschrieben am 7. August 2009 um 21:21 Uhr | Permalink

    Höchst bedauerlich, dass du eine solche Erfahrung im Praxisteil deines Studiums machen musstest.

    Mir ging es glücklicherweise in keiner meiner drei Praxiskommunen, in denen ich eingesetzt wurde, so oder so ähnlich. Sicherlich habe ich auch den einen oder anderen faulen Beamten (aber auch Beschäftigten im Angestelltenverhältnis) kennengelernt, doch gibt es diese Exemplare ebenso in der Privatwirtschaft.

    Oftmals ist die Disskussion um dieses Thema durch Neid und Missgunst gegenüber den nahezu unkündbaren Staatsbediensteten geprägt. Die Kritik verstärkt sich dabei merklich, wenn es den Arbeitgebern der Wirtschaft schlecht geht. Hinsichtlich der Qualifikation durch regelmäßige Fortbildungen und der Mitarbeiterzahl ist anzumerken, dass diese Fortbildungen und der Personaleinsatz aus den öffentlichen Mitteln finanziert werden müssen, die widerum über Abgaben von der Allgemeinheit aufzubringen sind.

    Da ich selbst Beamter bin, kann ich von mir sagen, dass ich bei mir (bislang) noch kein verstärktes Schlafbedürfnis oder eine Arbeitsunlust feststellen konnte. :-)

    Bleibt nun zu hoffen, dass du in deinem zweiten Praxisblock sinnvollere Aufgaben zu erledigen haben wirst. Oftmals hängt die Art und der Anspruch der Aufgaben, die einem Praktikanten übertragen werden auch von dessen Fähigkeiten und Engagement ab, was jetzt aber nicht heißen soll, dass ich dir unterstelle, dass es dir daran mangelt.

  5. Eine Studentin
    geschrieben am 26. August 2009 um 11:22 Uhr | Permalink

    Ich stimme Elisabeth voll und ganz zu! Als Praktikant sitzt man den lieben langen Tag nur gelangweilt rum und guckt aus dem Fenster! Und kämpft um jeden Preis um irgendwelche Arbeiten, damit die Zeit vergeht! Egal ob Putzen, aufräumen, kopieren, Kaffee kochen… hauptsache man hat irgendwas zu tun!

  6. geschrieben am 6. März 2018 um 16:04 Uhr | Permalink

    A traditional systolic pressure is under 120.

  7. geschrieben am 2. Juni 2018 um 02:56 Uhr | Permalink

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