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Was passiert in der öffentlichen Verwaltung?

Archiv des Themas Rezension:

E. Benjamin Skinner: „Menschenhandel“ (Rezension)

Schön wäre es, wenn unsere hochkompetenten Regierenden in geringerem Maße Menschen vor sich selbst beschützen wollten bzw. vor den Kopfhörern, die manche Fußgänger im Straßenverkehr tragen (so jüngste Äußerungen von Ramsauer, gestern dann flankiert von ZDF-Koryphäen des ausgebufften Journalismus’). Denn wenn unsere hochkompetenten Regierenden schon Beschäftigung suchen, tja, wie wäre es, wenn sie Menschen vor Menschen beschützen würden – oder es wenigstens ernsthaft versuchten? Ich wüsste da schon ein Betätigungsfeld: Sklaverei. E. Benjamin Skinners behauptet in dem hier besprochenem Buch Menschenhandel, „dass es weltweit 27 Millionen Sklaven gibt, Menschen also, die unter Androhung von Gewalt und ohne Bezahlung zur Arbeit gezwungen werden“, so Skinner. Laut Skinner sind Sklaven weltweit „nach den Drogen die zweitwichtigste Schmuggelware“, und Zuhälter, Schlepper sowie Sklavenhalter verdienten 2003 „rund 32 Milliarden US-Dollar am Handel mit der Ware Mensch“. Mehr als 100 Interviews mit SklavInnen hat Skinner für sein Buch Menschenhandel geführt, von denen ein überwältigender Teil in Menschenhandel gar nicht auftaucht, und „ein gutes Dutzend schäbiger Bordelle auf drei Kontinenten“ hat Skinner für den Sexsklavinnen-Aspekt seines Buches besucht. Insgesamt fünf Jahre lang war Skinner für seine schonungslose, packende Reportage in über einem Dutzend Länder unterwegs; sie sind abgebildet in einer Karte des Buches, das außerdem über einen Anmerkungs-Apparat (inklusive Literaturangaben), aber leider über kein Register verfügt. Herausgekommen ist im Laufe der Recherchen eine Geschichte von Elend, von Macht- und von Geldgier, inhaltlich abscheulich, doch weitgehend brillant geschrieben von einem Journalisten, den trotz seines Arbeitseifers das schlechte Gewissen rührt Weiterlesen »

Günter Grass, „Grimms Wörter“ (Rezension)

Nächstes Jahr vor 200 Jahren erschien der erste Band einer als Grimms Märchen weltbekannten Märchensammlung. „Deren derber, weil ungeschliffener Erzählton trug allerdings keinen Erfolg durch Verkauf ein. Erst als im Jahr [achtzehnhundert]fünfundzwanzig die kleine Ausgabe der Märchen auf den Buchmarkt kam, gefiel der dank gründlicher Überarbeitung biedermeierliche Ton“, berichtet Günter Grass in seinem Buch Grimms Wörter, das mit Grimms Märchen fast nichts zu tun hat und mit Grimms Wörterbuch weniger als möglich, obgleich Grass seine Liebeserklärung (so der Untertitel des Buches) vor dem Hintergrund der Wörterbuch-Entstehung ansiedelt. Weiterlesen »

Michael Groß: “9 Millionen Fahrräder am Rande des Universums” (Rezension)

Recyling ist ja so was von in. ProfessorInnen recyceln die Lehrmaterialien anderer Lehrender. Musiker recyceln ihre Musik unter immer neuen Überschriften, und das nicht erst seit heute (Stravinsky dazu: „Vivaldi wird sehr überschätzt. Er war ein langweiliger Mensch, der ein und dasselbe Konzert eben 400mal geschrieben hat“). Und Autoren recyceln ihre Texte. Michael Groß, nach eigenen Angaben „Hofnarr der Gesellschaft Deutscher Chemiker“, hat mit dem hier besprochenen Buch Neun Millionen Fahrräder am Rande des Universums einen Recyclinghof eröffnet für „überwiegend heitere, aber manchmal auch durchaus ernst gemeinte Kommentare“, so Groß im Vorwort. Worum es in den Kommentaren geht? Einfach um „alles, was sich irgendwie mit Wissenschaft (oder bevorzugt: mit Chemie) in Verbindung bringen lässt.“ Weiterlesen »

Loel Zwecker: “Was bisher geschah” (Rezension)

Es scheint, als hätten Beamte schon immer keinen sonderlich guten Ruf gehabt. „Werde Schreiber“, zitiert Loel Zwecker in seinem hier besprochenen Buch Was bisher geschah altägyptische Lehrtexte, „es rettet dich vor harter Arbeit und jeder Art von Mühe!“ Harte Arbeit und mühevoll dagegen könnte es für Zwecker gewesen sein, mit Was bisher geschah „eine kleine Weltgeschichte zu schreiben, die einen Überblick bietet und zugleich lebendige Eindrücke und verschiedene Perspektiven vermittelt“, so Zwecker in dem ersten Textabschnitt (Ein Vorwort inklusive 2,5 Millionen Jahren Vorgeschichte). Zweckers Buch enthält auf gerade einmal 383 Seiten, wovon 11 Seiten Anhang sind (Bildnachweis für die 27 Illustrationen sowie Namensregister), „die wichtigsten Fakten, Ereignisse, Personen und Theorien vom alten Ägypten bis heute.“ Weiterlesen »

Hanns Hatt & Regine Dee, „Niemand riecht so gut wie Du“ (Rezension)

Sex sells, hat sich da ein Verlag gedacht und flugs einen Buchtitel variiert: vom doch eher an Blümchensex gemahnenden Titel der Vor-Ausgabe (Das Maiglöckchen-Phänomen) hin zum neuen Titel Niemand riecht so gut wie du, samt Schmuse-Cover als Umschlagbild. (Das Cover der Vor-Ausgabe kam noch mit einer recht züchtig bekleideten Dame aus, die eine Topfpflanze umarmt.) Nötig hat solch plumpe Marketing-Tricks dieses mit Die geheimen Botschaften der Düfte untertitelte Buch von Hanns Hatt und Regine Dee definitiv nicht. Glänzend geschrieben, lebendig erzählt und trotz des hohen Informationsgehalts leicht nachvollziehbar und äußerst unterhaltsam ist das Hatt/Dee-Werk ein sehr sinnliches Buch, das sich eingehend mit einem „Teil unserer nicht zivilisierten Vergangenheit“ beschäftigt, der sich der „Kontrolle des modernen Individuums über seine Welt“ noch weitgehend entzieht, so Hatt/Dee in der Einleitung zu ihrem Buch. Es geht nämlich um: den Geruchssinn. Weiterlesen »

Anatol Chari, „Undermensch“ (Rezension)

Ein seltsames Buch. Es beinhaltet Schilderungen unglaublichen Grauens. Es entkräftet triviale Pauschalurteile. Es trägt den merkwürdigen Titel Undermensch, Untertitel Mein Überleben durch Glück und Privilegien. Es schildert das Leben eines ambivalenten Charakters, der in seinen Äußerungen sehr schonungslos ist, auch sich selbst gegenüber. Das Buch wurde niedergeschrieben von Dr. Timothy Braatz (Dozent am Saddleback College), sozusagen im Auftrag und mit den Worten eines ehemaligen Gettopolizisten namens Anatol ’Tony’ Chari. „Es sind tatsächlich nur sehr wenige Berichte von Gettopolizisten bekannt, was Tonys Erinnerungen um so wertvoller macht“, meint Braatz über Charis Geschichte, die für Braatz „keine Memoiren in dem Sinne [sind], dass eine Einzelperson über die Vergangenheit erzählt. Vielmehr handelt es sich um eine Verbindung aus Biografie und mündlichem Zeitzeugenbericht.“ Weiterlesen »

Dean Falk, „Wie die Menschheit zur Sprache fand“ (Rezension)

Es gibt mehrere Arten von Gebrabbel. Die eine ist sinnfrei, will aber nicht sinnfrei erscheinen (das gelingt dank überflüssiger Modephrasen und unnötiger Fremdwörter). Sie stammt von Erwachsenen, denen niemand mehr zu widersprechen wagt, weil sie eine schöne Krawatte oder einen schönen Titel tragen. Die andere Gebrabbel-Art ist sinnvoll, erscheint aber auf den ersten Blick sinnfrei: Baby-Gebrabbel. Mit ihm und der Kinder-/Ammensprache beschäftigt sich die amerikanische Professorin Dean Falk in einem ergänzenden Beitrag zur Theorie der Sprachentwicklung. Titel des Buches: Wie die Menschheit zur Sprache fand. Untertitel: Mütter, Kinder und der Ursprung des Sprechens. Weiterlesen »

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