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Was passiert in der öffentlichen Verwaltung?

Archiv des Themas Rezension:

Joel F. Harrington, “Die Ehre des Scharfrichters” (Rezension)

Manche Dinge schätzt man erst, wenn man sich bewusst wird, dass sie nicht selbstverständlich sind. Beispielsweise die Berufsfreiheit. Diese Freiheit hatte der Henker Frantz Schmidt nicht, dem Joel F. Harrington die Biographie Die Ehre des Scharfrichters widmet, Untertitel: Meister Frantz oder ein Henkersleben im 16. Jahrhundert. Und schon Frantzens Vater Heinrich hatte diese Freiheit nicht, dank folgender Begebenheit aus dem Herbst des Jahres 1553: „Als der allgemein verhasste Albrecht […] drei örtliche Waffenschmiede wegen einer angeblichen Mordverschwörung gegen ihn verhaften ließ, wollte er in seinem Eigensinn nicht darauf warten, bis ein fahrender Henker sie richtete – das übliche Verfahren –, sondern berief sich stattdessen auf einen alten Brauch und befahl einfach einem zufällig Zugegenen, auf der Stelle das Urteil zu vollstrecken. Der für diese zweifelhafte Ehre ausgewählte Mann war kein anderer als Heinrich Schmidt“, Förster und Vogelfänger in Hof, Papa des 1554 geborenen Frantz Schmidt. „Dem guten Heinrich Schmidt blieb […] nichts anderes übrig, als den Befehl auszuführen, wenn er nicht selbst am Galgen baumeln wollte“, erklärt Harrington. Für das Sozialleben der Familie war das eine Katastrophe. Weiterlesen »

Noam Chomsky, “Die Herren der Welt” (Rezension)

Früher war die Testfrage für fromme Katholiken: Was hätte Jesus getan? Heute vielleicht: Was würde Papst Franziskus tun? Für mich aufgrund meiner Abscheu vor organisiertem Glauben aber lieber: Was würde Noam Chomsky dazu sagen? Der angeblich laut New York Times ‘wohl bedeutendste lebende Intellektuelle‘ Chomsky hat unter dem Titel Die Herren der Welt insgesamt sieben Essays und Reden aus fünf Jahrzehnten herausgebracht (so auch der Untertitel der deutschen Übersetzung). Es handelt sich um Zweitverwertungen bereits publizierter Texte, die großteils so scharfsinnig und -sichtig, witzig, radikal und kompromisslos sind, wie man es von Chomsky kennt. Weiterlesen »

Laurence C. Smith, “Die Welt im Jahr 2050″ (Rezension)

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Eigentlich nämlich wollte Laurence C. Smith ein anderes Buch verfassen als das, was er dann schrieb. Smith reiste nämlich in den hohen Norden, „um ein Buch über den Klimawandel zu schreiben“ und dessen Auswirkungen insbesondere „auf traditionelle indigene Gesellschaften.“ Smith’ Vorhaben, „die Anna Politkowskaja des arktischen Klimawandels“ zu werden, scheiterte jedoch. „Die indigenen Bewohner des Nordens mögen es nicht, als hilflose Opfer des Klimawandels hingestellt zu werden. Sie warten auch nicht darauf, dass ihre Zentralregierung auf den Plan tritt und ihre Probleme löst. […] Die Menschen, denen ich begegnet bin, hoffen nicht darauf, dass Einsatzkommandos von außen entsandt werden, um sie vor dem Klimawandel zu retten.“ Sondern sie machen anderes. Doch dazu gleich. Weiterlesen »

Thomas Metzinger, “Der Ego-Tunnel” (Rezension)

Die alte Frage ‘Wer bin ich’ / Hebt wieder mal ihr Haupt. / ‘Du bist viel blöde, Frage, / Hau ab, sonst ich dich schlage.’ / Da läuft sie, daß es staubt. So lautet ein scheinbares Blödelgedicht meines Lieblingsbarden Robert Gernhardt. Diese ‘alte Frage‘ allerdings scheint überflüssig, wenn man Thomas Metzingers Buch Der Ego-Tunnel folgt. Es ist 2009 erstmals erschienen und trägt den Untertitel Eine neue Philosophie des Selbst: Von der Hirnforschung zur Bewusstseinsethik. Fünf Jahre nach seinem Erst-Erscheinungstermin ist das mit 32 Abbildungen und Register versehene Werk nun dieses Jahr als Taschenbuch neu herausgekommen. Die erweiterte Neuausgabe ist versehen mit einer Reihe „von neuen Passagen, etwa zu den Themen ’Gehirn-Computer-Schnittstellen‘, ‘geistige Autonomie‘, Mind Wandering und ’Bewusstseinsethik‘“, so Metzinger.  Außerdem gibt es in der Neuausgabe ein neues Nachwort. Ebenfalls überarbeitet: der Anmerkungsapparat mit Literaturhinweisen (z.T. annotiert). Teilweise sind die Kapitel in Anhängen mit Interviews versehen (Gesprächspartner: Wolf Singer, Allan Hobson, Vittorio Gallese).
Und warum stellt sich nun die ’alte Frage‘ Wer bin ich womöglich gar nicht? „In diesem Buch werde ich Sie davon zu überzeugen versuchen, dass es so etwas wie ’das‘ Selbst nicht gibt“, droht Metzinger schon in der Einleitung seines Buches. Weiterlesen »

Wolf Schneider, “Der Soldat – ein Nachruf” (Rezension)

Es gibt einige untergegangene Berufe. Einschlagmacher beispielsweise. Oder Wollschläger. Und auch die Profession des Soldaten wird es in der jetzigen Form künftig nicht mehr geben, wenn man Wolf Schneider glauben darf. Er hat ein Buch geschrieben mit dem Titel Der Soldat – ein Nachruf. Untertitel: eine Weltgeschichte von Helden, Opfern und Bestien. Warum ein Nachruf? „Weil die Ära des Soldaten, wie wir ihn kennen, zu Ende geht“, so Schneider Weiterlesen »

Pero Micic: “Wie wir uns täglich die Zukunft versauen” (Rezension)

Langfristige Ziele ersparen Dir die Frustration durch kurzfristige Fehler, soll Penney mal gesagt haben. Mehr als nur einen Penny wert ist das hier besprochene Buch Wie wir uns täglich die Zukunft versauen, Untertitel Raus aus der Kurzfrist-Falle. Es handelt sich bei dem Buch nämlich um eine stellenweise durchaus fesselnd zu lesende, bemerkenswerte Mischung aus Ratgeber-Literatur für das Individuum und Aufruf zu gesellschaftlicher Veränderung. Autor des mit 12 Abbildungen sowie Anmerkungs-/Quellenapparat versehenden Werks ist Pero Micic. „Die größten Probleme in Umwelt, Politik, Wirtschaft und Privatleben haben ihre Ursachen in der chronischen Kurzfrist-Orientierung des Menschen. Vieles, was uns im Moment glücklich macht, schadet uns später. Weil wir nicht bereit sind, heute auf Belohnung zu verzichten, verpassen wir große Chancen für unsere Zukunft“ Weiterlesen »

Cord Balthasar und Thorsten Wiese: “Warum Kugelschreiber tödlicher sind als Blitze” (Rezension)

Das Leben ist eine Krankheit, die durch Geschlechtsverkehr übertragen wird und immer tödlich endet lautet ein Aphorismus mir unbekannter Herkunft. Doch woran stirbt man denn eigentlich so? Verblüffende Statistiken über die Gefahren und Risiken unseres Lebens lautet der Untertitel des Buches Warum Kugelschreiber tödlicher sind als Blitze. Verfasst haben das Buch die Journalisten Cord Balthasar und Thorsten Wiese. „Jährlich ersticken allein in Deutschland geschätzte 100 bis 300 Menschen an Kugelschreiberteilen“, stellen Balthasar/Wiese fest; mehr als 25-mal so viele Menschen wie an Blitzen. Hoppla. Wer hätte gedacht, dass reale und gefühlte Gefahren so wenig gemein haben können? „Immer wieder haben Forscher vor dem Hintergrund realer und gefühlter Gefahren versucht herauszufinden, wo denn das tatsächliche Risiko verborgen ist. Und immer wieder kamen sie zu dem Ergebnis, dass es meist ganz alltägliche Vorgänge sind, die uns im Endeffekt umbringen.“ Weiterlesen »

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