Verwaltung.modern

Was passiert in der öffentlichen Verwaltung?

Archiv des Themas Hochschule:

Neue Unternehmenskultur – „Musik und Management“

Autor: Prof. Dr. Jürgen Kegelmann – Hochschule Kehl

In der Musik zählen Originalität, Innovationsgeist, Improvisationstalent, Zusammenspiel und Gleichtakt. Diese Elemente lassen sich auf neue Managementkonzepte übertragen. Der Vortrag zum Thema „Musik und Management” gehalten im Rahmen des  Kulturradios SWR2 – Wissen/ Aula.

Interessiert? Dann finden Sie den Podcast und das Skript unter

https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/musik-und-management/-/id=660374/did=21642704/nid=660374/yg03uq/index.html

Masterstudentinnen moderierten Workshop bei „Morgenstadt-Werkstatt meets Digitale Zukunftskommune@BW“

Bürgerservice der Zukunft – bürgerzentriert und mitarbeiterorientiert! – so lautete der Workshop, der im Rahmen der Morgenstadt-Werkstatt meets Digitale Zukunftskommune@BW von drei Masterstudentinnen Nadine Anders, Verena Bicker und Judith Dengler des MPM unter Anleitung von Prof. Schenk moderiert wurde.

Bei diesem beschäftigten sich die unterschiedlichsten Teilnehmer/innen mit den Fragen nach „pains & gains“ von Bürger/innen und Mitarbeiter/innen bei der Bearbeitung der Anliegen im Bürgerservice von heute und suchten Lösungen für morgen, die sich gewinnbringend die positiven Effekte einer Digitalisierung für diese Personengruppen zunutze machen. Die Kombination unterschiedlichster Technologien für die einzelnen Schritte der Dienstleistungserbringung – begonnen bei der Identifikation bis hin zur Abholung gewünschter Produkte, wie z. B. eines Personalausweises oder Reisepasses, wurden ebenso diskutiert, wie die Verbesserung des Wartebereichs „zum Wohlfühlen“ für die Bürger. Methodisch wurde eine abgewandelte Form des „Design Thinking“ eingesetzt, eine neuartige Methode, die vom Kunden und vom Mitarbeiter her denkt und Prozesse entlang von deren Bedürfnissen gestaltet. Überraschend war das Ergebnis: die Lösungen erfüllten sowohl die Wünsche der Bürger/innen wie auch der Mitarbeiter/innen und waren damit im Kern gleich!

Das Ergebnis wird in ein zukunftsweisendes Konzept für die Gestaltung eines Bürgerservices für morgen münden – leider noch orientiert am bestehenden Territorialprinzip und der gegebenen Gesetzeslage, doch wird dieses auch deren Umgestaltungsmöglichkeiten in den Blick nehmen.

Beim Tun!

Ein Ergebnis!

Auf dem Weg zur Zukunftskommune!

Aktiv bei der Arbeit!

Wie werden wir in der Zukunft leben? Wie sieht eine Kommune aus, die sich den Megatrends unserer Zeit wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Globalisierung nicht nur stellt, sondern diese proaktiv für sich nutzt? Wie entstehen Verwaltungsdienstleistungen (e-Services), die sowohl eine moderne Dienstleistungsqualität für den Bürger, als auch mitarbeiterfreundliche Arbeitsbedingungen in sich vereinen? Diesen Fragen stellen sich heute rund 60 Studierende der Hochschulen Ludwigsburg und Kehl unter der Leitung ihrer Professorinnen Schenk, Schneider und Dietrich im Rahmen ihres Vertiefungsstudiums. Im Landesmedienzentrum in Karlsruhe nutzen sie „Design Thinking“, eine neuartige Methode, die vom Kunden her denkt und Prozesse entlang von Bedürfnissen gestaltet.

Unterstützt werden sie dabei von drei Moderatoren der EnBW, Christine Bandt, Kathrin Burkardt und Carsten Stauch, die sie durch die einzelnen Phasen führen und den Blick öffnen für dieses faszinierende Werkzeug der Organisationsgestaltung. Im Fokus der Arbeit stehen die Leistungsfelder eGovernment, Bildung, Betreuung, Tourismus und „grüne Stadt“.

Am Ende des Tages werden sechs komplett neu durchdachte und aus Kundensicht gestaltete Verwaltungsservices entstehen, die anschließend in konkreten Kommunen eingesetzt werden sollen.  Profitieren wird davon unter anderem die Stadtverwaltung Herrenberg, die in einer zweijährigen Forschungskooperation mit der Hochschule Ludwigsburg auf dem Weg zur Zukunftskommune ist, sowie die Stadtverwaltung Ludwigsburg für die Ausländerbehörde.

Plädoyer für eine andere berufliche Weiterbildungsgesetzgebung: Einführung eines Weiterbildungsgeldes nach österreichischem Modell als dritte Säule der Arbeitsversicherung (ALG III)

Seit Mitte 2015 sind in den Bundesländern die Bildungszeitgesetze in Kraft. Gemein haben diese Gesetze, dass alle Arbeitnehmer einen Anspruch auf fünf Tage bezahlte Freistellung haben sofern sie sich beruflich, politisch oder für eine ehrenamtliche Tätigkeit weiterbilden. In der Realität werden damit auf Kosten der Arbeitgeber z.B. Abgeordnetenfahrten, gesellschaftspolitische Schulungen in kirchlichen oder gewerkschaftlichen Bildungsträgern oder der Erwerb von Trainerlizenzen finanziert. Alles ehrenwerte Aktivitäten; aber auf die zukünftigen Herausforderungen und Entwicklungen des Arbeitsmarktes wird damit nicht reagiert.

Schon heute beklagen das Gewerbe und die Industrie einen massiven Fachkräftemangel. Der Arbeitsmarkt steht aufgrund der Digitalisierung sowie des demographischen Wandels bzw. technischer Entwicklungen vor massiven Verwerfungen; die Stichwörter heißen Industrie 4.0 und Arbeit 4.0: So werden z.B. Handwerksbetriebe geforderter sein digitale Kompetenzen bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufzubauen um hinsichtlich der Themen Smart Grid und Smart Home weiter wettbewerbsfähig zu sein. E-Mobility benötigt keine Getriebeproduktion mehr, genauso ist ein E-Motor weit simpler konstruiert wie ein Kolbenmotor. Pakete werden zukünftig von autonom mobilen Einheiten ausgeliefert und nicht mehr von Kraftfahrern, die Verlagerung des Handels ins Internet geht weiter. Zeitgleich brechen jedes Jahr ca. 20% der Auszubildenden ihre Lehre ab und die Zuwanderer aus EU- und nicht EU-Staaten haben aufgrund anderer bzw. nicht vorhandener Ausbildungen Kompatibilitätsprobleme auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

Der vormals stark propagierte Dienstleistungssektor wird also massiv an Stellen verlieren, ähnlich wie mancher Teilbereich der Produktion. Betroffen werden davon einfache und mittlere Qualifikationen sein (DQR[1] 1-4).

Die deutsche Bildungszeitgesetzgebung hat also aus arbeitsmarktpolitischer Sicht die Schwerpunkte falsch gesetzt und auch die operative Ausrichtung ist fehlerhaft. Mit gerade einmal fünf Tagen pro Jahr kann eine Weiterbildung, die Arbeitnehmer auf einen höheres DQR Level bringen soll, zeitlich nicht bewältigt werden. Anstatt also in die Zukunftsfähigkeit von Arbeitnehmer zu investieren, werden Gelder aus dem Arbeitsprozess für sicherlich wichtige (s.o.) aber arbeitsmarktfremde Themen abgeleitet.

Zielgerichteter ist dagegen die Gesetzgebung in Österreich aufgestellt. In Österreich ist das Thema Weiterbildungsfreistellung nicht in einem expliziten Gesetz zu finden, sondern es hat Eingang in mehrere Gesetze wie z.B. das Arbeitsvertrags-Anpassungsgesetz (AVRAG) und das Arbeitslosenversicherungsgesetz (AlVG) gefunden.

Demnach werden in Österreich ausdrücklich nur berufliche Weiterbildungen über die Arbeitsnehmer und Arbeitgeber gefördert. Der Focus liegt im Gegensatz zu Deutschland einzig und allein auf der Berufsqualifizierung.

Generell wird dabei zwischen der sogenannten Bildungskarenz und der Bildungsteilzeit unterschieden[2]. Bei der Bildungsteilzeit wird für einen Zeitraum zwischen vier Monaten und maximal zwei Jahren die wöchentlichen Normalarbeitszeit um 25%-50% zu Gunsten einer Weiterbildungsmaßnahme reduziert, die Bildungskarenz sieht eine Aussetzung des Arbeitsverhältnisses für einen Zeitraum zwischen zwei Monaten und einem Jahr vor.

Für die Dauer der Bildungskarenz bzw. der Bildungsteilzeit kann ein Arbeitnehmer in Österreich ein sogenanntes Weiterbildungsgeld[3] beantragen. Dieses Weiterbildungsgeld entspricht in der Höhe dem Arbeitslosengeld und wird wie dieses ebenfalls aus der Arbeitsversicherung heraus bezahlt. Die österreichische Gesetzgebung geht sogar so weit, dass während der Bildungskarenz eine geringfügige Beschäftigung beim derzeitigen Arbeitgeber eingegangen werden kann ohne die Bildungskarenz bzw. den Anspruch auf Weiterbildungsgeld zu schädigen.

Die Regelungen im Arbeitslosenversicherungsgesetz Österreichs bindet das Weiterbildungsgeld allerdings an die Teilnahme an einer akkreditierten Weiterbildungsmaßnahme mit mindestens 20 Wochenstunden[4] oder einem akademischen Studium mit mindestens 4 Semesterwochenstunden bzw. 8 ECTS Punkten.

Der österreichische Ansatz ist deshalb beachtenswert, da erstmalig ein präventives Element in die Arbeitsversicherung eingeführt wird. Es wird also nicht erst nach dem Eintritt der Arbeitslosigkeit alimentiert, sondern präventiv der Verbleib im Arbeitsmarkt durch eine Transferleistung gefördert. Übertragen auf deutsche Verhältnisse entspräche dies einer neuen, dritten Säule (ALG III) der Arbeitsversicherung neben den bekannten Säulen ALG I und ALG II.

Die zukünftigen drei Säulen der Arbeitsversicherung

_____________ALG I  ___________ ALG II __________ ALG III

Charakter: Posttraumatisch__— Posttraumatisch__—Präventiv

Zuständig:  Agentur für Arbeit __— Jobcenter      _— z. B. IHK und Arbetisagentur

Temporär:      befristed _____— unbefristet ——-____—– befristet

In Österreich ist das Instrument zu einem Erfolgsmodell geworden[5]. Seitdem das Weiterbildungsgeld auf den vollen Satz des Arbeitslosengeldes angehoben wurde steigen die Teilnehmerzahlen kontinuierlich an. Derzeit nehmen etwas unter 10.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Bildungskarenz oder die Bildungsteilzeit in Anspruch. Auch die anfängliche Kritik der Arbeitgeberverbände ist in der Zwischenzeit, nach mehreren Reformen, nahezu verstummt.

Im Hinblick auf die oben genannten bevorstehenden Umwälzungen am Arbeitsmarkt wäre es sinnvoll, dieses Instrumentarium insbesondere auf einen Personenkreis zu zuschneiden, dessen Qualifizierungsstand dem DQR 1-4 entspricht. Die Weiterbildungsmaßnahmen bzw. Umschulungen müssten also dazu dienen, die Kenntnisse und Kompetenzen, die man durch eine duale Ausbildung bzw. durch eine ausgeführte Berufstätigkeit erworben hat qualitativ zu erhöhen und auszubauen.

Gerade der Bereich zwischen einem Studienabschluss und dem Abschluss einer dualen Ausbildung sollte hierbei als Zielmarke in den Focus rutschen (DQR 4-6). Gleichzeitig würde dies eine Akkreditierung bei vorhergehender Zertifizierung der Weiterbildungsträger erforderlich machen um die Qualitätsstandards einzuhalten bzw. vergleichbar zu machen.

Die Finanzierung dieses ALG III könnte z.B. durch eine Fond erfolgen, der aus den Überschüssen der Bundesagentur für Arbeit und Steuerüberschüssen aufgelegt wird, sodass die Beitragssätze zur Arbeitsversicherung nicht angehoben werden müssen.

Der Effekt einer solchen präventiven Arbeitstransferleistung könnten sinkende Arbeitslosenzahlen und eine bündigerer Berufshistorie der einzelnen Arbeitnehmer sein. Eventuell würde durch die mögliche finanzielle Unterstützung auch ein Anreiz geschaffen werden die Motivation und die (finanzielle) Möglichkeit zur beruflichen Weiterbildung des Einzelnen deutlich zu steigern bzw. erstmalig zu schaffen, mit dem volkswirtschaftlich positiven Aspekt eines qualitativ besseren weil weitergebildeten Arbeitnehmerpotentials. Der Fachkräftemangel könnte reduziert werden, Arbeitnehmern könnten neue berufliche Perspektiven eröffnet und gleichzeitig würde die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft nachhaltig gestärkt werden.

Zum Autor: Dr. Lothar Barth, langjähriger Dozent an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg, kaufmännischer Werkleiter des ZV RBB, Beigeordneter der Stadt für Personal und Organisation der Stadt Aachen a.D


[1] DQR: Deutscher Qualifikationsrahmen; siehe https://www.dqr.de/

[2] vgl. § 11 und 11a AVRAG

[3] Vgl. § 26 und 26 a AlVG

[4] Bei Arbeitnehmern mit Kindern mindestens 16 Wochenstunden

[5] Vgl.: www. http://derstandard.at/2000021091254/Bildungsteilzeit-boomt

Seit Mitte 2015 sind in den Bundesländern die Bildungszeitgesetze in Kraft. Gemein haben diese Gesetze, dass alle Arbeitnehmer einen Anspruch auf fünf Tage bezahlte Freistellung haben sofern sie sich beruflich, politisch oder für eine ehrenamtliche Tätigkeit weiterbilden. In der Realität werden damit auf Kosten der Arbeitgeber z.B. Abgeordnetenfahrten, gesellschaftspolitische Schulungen in kirchlichen oder gewerkschaftlichen Bildungsträgern oder der Erwerb von Trainerlizenzen finanziert. Alles ehrenwerte Aktivitäten; aber auf die zukünftigen Herausforderungen und Entwicklungen des Arbeitsmarktes wird damit nicht reagiert.

Schon heute beklagen das Gewerbe und die Industrie einen massiven Fachkräftemangel. Der Arbeitsmarkt steht aufgrund der Digitalisierung sowie des demographischen Wandels bzw. technischer Entwicklungen vor massiven Verwerfungen; die Stichwörter heißen Industrie 4.0 und Arbeit 4.0: So werden z.B. Handwerksbetriebe geforderter sein digitale Kompetenzen bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufzubauen um hinsichtlich der Themen Smart Grid und Smart Home weiter wettbewerbsfähig zu sein. E-Mobility benötigt keine Getriebeproduktion mehr, genauso ist ein E-Motor weit simpler konstruiert wie ein Kolbenmotor. Pakete werden zukünftig von autonom mobilen Einheiten ausgeliefert und nicht mehr von Kraftfahrern, die Verlagerung des Handels ins Internet geht weiter. Zeitgleich brechen jedes Jahr ca. 20% der Auszubildenden ihre Lehre ab und die Zuwanderer aus EU- und nicht EU-Staaten haben aufgrund anderer bzw. nicht vorhandener Ausbildungen Kompatibilitätsprobleme auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

Der vormals stark propagierte Dienstleistungssektor wird also massiv an Stellen verlieren, ähnlich wie mancher Teilbereich der Produktion. Betroffen werden davon einfache und mittlere Qualifikationen sein (DQR[1] 1-4).

Die deutsche Bildungszeitgesetzgebung hat also aus arbeitsmarktpolitischer Sicht die Schwerpunkte falsch gesetzt und auch die operative Ausrichtung ist fehlerhaft. Mit gerade einmal fünf Tagen pro Jahr kann eine Weiterbildung, die Arbeitnehmer auf einen höheres DQR Level bringen soll, zeitlich nicht bewältigt werden. Anstatt also in die Zukunftsfähigkeit von Arbeitnehmer zu investieren, werden Gelder aus dem Arbeitsprozess für sicherlich wichtige (s.o.) aber arbeitsmarktfremde Themen abgeleitet.

Zielgerichteter ist dagegen die Gesetzgebung in Österreich aufgestellt. In Österreich ist das Thema Weiterbildungsfreistellung nicht in einem expliziten Gesetz zu finden, sondern es hat Eingang in mehrere Gesetze wie z.B. das Arbeitsvertrags-Anpassungsgesetz (AVRAG) und das Arbeitslosenversicherungsgesetz (AlVG) gefunden.

Demnach werden in Österreich ausdrücklich nur berufliche Weiterbildungen über die Arbeitsnehmer und Arbeitgeber gefördert. Der Focus liegt im Gegensatz zu Deutschland einzig und allein auf der Berufsqualifizierung.

Generell wird dabei zwischen der sogenannten Bildungskarenz und der Bildungsteilzeit unterschieden[2]. Bei der Bildungsteilzeit wird für einen Zeitraum zwischen vier Monaten und maximal zwei Jahren die wöchentlichen Normalarbeitszeit um 25%-50% zu Gunsten einer Weiterbildungsmaßnahme reduziert, die Bildungskarenz sieht eine Aussetzung des Arbeitsverhältnisses für einen Zeitraum zwischen zwei Monaten und einem Jahr vor.

Für die Dauer der Bildungskarenz bzw. der Bildungsteilzeit kann ein Arbeitnehmer in Österreich ein sogenanntes Weiterbildungsgeld[3] beantragen. Dieses Weiterbildungsgeld entspricht in der Höhe dem Arbeitslosengeld und wird wie dieses ebenfalls aus der Arbeitsversicherung heraus bezahlt. Die österreichische Gesetzgebung geht sogar so weit, dass während der Bildungskarenz eine geringfügige Beschäftigung beim derzeitigen Arbeitgeber eingegangen werden kann ohne die Bildungskarenz bzw. den Anspruch auf Weiterbildungsgeld zu schädigen.

Die Regelungen im Arbeitslosenversicherungsgesetz Österreichs bindet das Weiterbildungsgeld allerdings an die Teilnahme an einer akkreditierten Weiterbildungsmaßnahme mit mindestens 20 Wochenstunden[4] oder einem akademischen Studium mit mindestens 4 Semesterwochenstunden bzw. 8 ECTS Punkten.

Der österreichische Ansatz ist deshalb beachtenswert, da erstmalig ein präventives Element in die Arbeitsversicherung eingeführt wird. Es wird also nicht erst nach dem Eintritt der Arbeitslosigkeit alimentiert, sondern präventiv der Verbleib im Arbeitsmarkt durch eine Transferleistung gefördert. Übertragen auf deutsche Verhältnisse entspräche dies einer neuen, dritten Säule (ALG III) der Arbeitsversicherung neben den bekannten Säulen ALG I und ALG II.

Die zukünftigen drei Säulen der Arbeitsversicherung

In Österreich ist das Instrument zu einem Erfolgsmodell geworden[5]. Seitdem das Weiterbildungsgeld auf den vollen Satz des Arbeitslosengeldes angehoben wurde steigen die Teilnehmerzahlen kontinuierlich an. Derzeit nehmen etwas unter 10.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Bildungskarenz oder die Bildungsteilzeit in Anspruch. Auch die anfängliche Kritik der Arbeitgeberverbände ist in der Zwischenzeit, nach mehreren Reformen, nahezu verstummt.

Im Hinblick auf die oben genannten bevorstehenden Umwälzungen am Arbeitsmarkt wäre es sinnvoll, dieses Instrumentarium insbesondere auf einen Personenkreis zu zuschneiden, dessen Qualifizierungsstand dem DQR 1-4 entspricht. Die Weiterbildungsmaßnahmen bzw. Umschulungen müssten also dazu dienen, die Kenntnisse und Kompetenzen, die man durch eine duale Ausbildung bzw. durch eine ausgeführte Berufstätigkeit erworben hat qualitativ zu erhöhen und auszubauen.

Gerade der Bereich zwischen einem Studienabschluss und dem Abschluss einer dualen Ausbildung sollte hierbei als Zielmarke in den Focus rutschen (DQR 4-6). Gleichzeitig würde dies eine Akkreditierung bei vorhergehender Zertifizierung der Weiterbildungsträger erforderlich machen um die Qualitätsstandards einzuhalten bzw. vergleichbar zu machen.

Die Finanzierung dieses ALG III könnte z.B. durch eine Fond erfolgen, der aus den Überschüssen der Bundesagentur für Arbeit und Steuerüberschüssen aufgelegt wird, sodass die Beitragssätze zur Arbeitsversicherung nicht angehoben werden müssen.

Der Effekt einer solchen präventiven Arbeitstransferleistung könnten sinkende Arbeitslosenzahlen und eine bündigerer Berufshistorie der einzelnen Arbeitnehmer sein. Eventuell würde durch die mögliche finanzielle Unterstützung auch ein Anreiz geschaffen werden die Motivation und die (finanzielle) Möglichkeit zur beruflichen Weiterbildung des Einzelnen deutlich zu steigern bzw. erstmalig zu schaffen, mit dem volkswirtschaftlich positiven Aspekt eines qualitativ besseren weil weitergebildeten Arbeitnehmerpotentials. Der Fachkräftemangel könnte reduziert werden, Arbeitnehmern könnten neue berufliche Perspektiven eröffnet und gleichzeitig würde die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft nachhaltig gestärkt werden.

Zum Autor: Dr. Lothar Barth, langjähriger Dozent an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg, kaufmännischer Werkleiter des ZV RBB, Beigeordneter der Stadt für Personal und Organisation der Stadt Aachen a.D


[1] DQR: Deutscher Qualifikationsrahmen; siehe https://www.dqr.de/

[2] vgl. § 11 und 11a AVRAG

[3] Vgl. § 26 und 26 a AlVG

[4] Bei Arbeitnehmern mit Kindern mindestens 16 Wochenstunden

[5] Vgl.: www. http://derstandard.at/2000021091254/Bildungsteilzeit-boomt

Morgenstadt Werkstatt – Ein Fachprojekt arbeitet für die Zukunft!

Digitales Bürgerbüro, Verwaltung 4.0, Smart City – all diese Schlagwörter sind Ausdruck der digitalen Transformation, die uns längst erreicht hat. So stehen unsere Kommunen vor der Herausforderung, Altes und Neues zu verbinden, um das zu erhalten, was uns wichtig ist, und gleichzeitig zu verhindern, was wir nicht wollen z. B. dass wir nicht hoffnungslos ins europäische Hintertreffen geraten. Dies erfordert auch, dass sich Kommunen stellenweise neu erfinden müssen. Vor diesem Hintergrund fand unter dem Motto „Morgenstadt Werkstatt – Urbane Technologien gemeinsam entwickeln“ am 27. und 28. September 2016 ein sogenannter Makeathon statt, an dem sich an Innovation und kommunaler Entwicklung Interessierte zusammenfanden, um gemeinsam zukunftsträchtige Ideen zu entwickeln und auszuarbeiten.

Rund 50 Teilnehmer/innen   aus unterschiedlichsten Institutionen und Bereichen nutzten diese Möglichkeit, darunter auch das Fachprojekt Digitale Kommune mit elf Studierenden, begleitet von Herrn Benjamin Döz und Frau Prof. Dr. Birgit Schenk. Ihr Ziel war es, an Neuem mitzudenken und die eigenen Ideen auf den Prüfstand zu stellen.

Bildquelle: https://blog.iao.fraunhofer.de/content/uploads/13-2.jpg

Nach einer Einführung und einer Reihe Impulsvorträge bereits erfolgreicher Innovatoren, stellten die Teilnehmer/innen ihre eigenen Ideen vor, um aus dem Teilnehmerkreis Interessierte zur Mitarbeit zu gewinnen oder sich für andere Ideen zu begeistern und daran mitzuarbeiten. So teilten sich die Studierenden auf, um an zwei der sechs konkreten Ideen weiterzuarbeiten: kommune.digital (Digitalisierung und Optimierung z. B. des Wohnsitz-Ummeldeprozesses für Verwaltung und Studierende in Hochschul-Städten) sowie Sicherheit auf Veranstaltungen (ein Projekt von und mit der Polizeidirektion Stuttgart).

Nach zwei Tagen kreativen intensiven Arbeitens der bunt zu Teams zusammengewürfelten Experten wurden die Ergebnisse aller sechs Gruppen präsentiert und durch eine Jury des Fraunhofer IAO prämiert. In die Bewertung flossen sowohl das Konzept als auch der entwickelte Prototyp mit ein. Die Gruppe „safEvent“ – Sicherheit auf Veranstaltungen wurde für einen der vier Preise  nominiert!

Bildquelle: http://www.morgenstadt.de/content/dam/morgenstadt/de/images/veranstaltungen/morgenstadt-werkstatt/bilder-tag-2/532A0535.jpg

Auch wenn nicht beide Ideengruppen, in denen unsere Studierenden mitarbeiteten einen Preis erhielten, haben alle gewonnen. Denn es waren zwei spannende Tage für die Teilnehmer/innen des Fachprojektes „Digitale Kommune“, die einen weiten Blick über den Tellerrand des im Studium Vermittelten ermöglichten und die momentanen Entwicklungen für die Zukunft deutlich machten.

Weitere Informationen siehe http://blog.iao.fraunhofer.de/zwei-tage-in-der-stadt-von-morgen/

Smart Cities – ein Baustein zur Nachhaltigkeit?

Vortrag von Katharina Große, ZU, am 19. Oktober 2016 um 15:55 Uhr an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg

Gäste sind herzlich willkommen!

Nachhaltigkeit beschreibt laut Duden für eine „längere Zeit anhaltende Wirkung.“ Meist wird Nachhaltigkeit unter dem Aspekt der Ökologie betrachtet und gemäß Duden als  Prinzip interpretiert, „nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann.“ Die rapide Entwicklung digitaler Technologie kann einen großen Beitrag dazu leisten, Ressourcen nachhaltiger zu verwenden: GPS-Navigation ermöglicht Landwirten, ihre Böden schonender zu pflügen; smarte Müllcontainer tragen zu sparsamen Planung von Transportfahrzeugen bei; intelligente Netze sorgen für optimierten Stromverbrauch. Zunehmend wächst aber auch das Bewusstsein, dass Nachhaltigkeit nicht nur auf ökologische Aspekte fokussieren darf. Um tatsächlich Wirkung zu erzeugen, die „längere Zeit“ anhält, müssen Veränderungen an den Wünschen und Bedürfnissen der Betroffenen orientiert werden. So rücken mehr und mehr Aspekte von Open Government in den Fokus der Diskussionen zu Nachhaltigkeit: Mängelmelder sorgen dafür, dass städtische Ressourcen dort eingesetzt werden, wo Probleme am dringendsten sind. (Online-) Bürgerbeteiligung in Stadtplanung kann sicherstellen, dass diese im Sinne der Anwohner geschieht. (Online-) Zukunftsdialoge lässt Anliegen der Bürger in die strategische Ausrichtung  von Politik einfließen. Der Vortrag „Nachhaltigkeit durch Smart und Open Government“ wird die Potentiale beleuchten, die sich aus der vernetzten Digitalisierungen und Öffnung von Regierung und Verwaltung für nachhaltige Entwicklung ergeben und die Herausforderungen aufzeigen, denen sich unterschiedliche Stakeholder-Gruppen gegenüber sehen.

Rathaus im Wandel – 10 Jahre Nachhaltige Stadtentwicklung in Ludwigsburg

Vortrag von Dipl. Verwaltungswirt Albert Geiger am 12. Oktober 2016 um 15:55 Uhr an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg

„Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorauszusagen, sondern darauf, auf die Zukunft vorbereitet zu sein“ Perikles

Städte und Gemeinden haben dank ihrer verfassungsrechtlich garantieren Selbstverwaltung und Planungshoheit nicht nur einen großen Gestaltungsspielraum, sondern auch eine daraus resultierende starke Eigenverantwortung. Für die Zukunftsfähigkeit des eigenen Standortes ist es in Zeiten der Globalisierung, des demografischen Wandels, der Ressourcenknappheit, der Digitalisierung sowie der zunehmenden Komplexität für Kommunen unverzichtbar, Perspektiven für künftige Entwicklungen rechtzeitig zu identifizieren  und über eine strukturierte Prozessgestaltung alle lokalen Kräfte zu bündeln.

Die kommunale politische Praxis reagiert auf aktuelle Herausforderungen jedoch häufig situativ und versucht angesichts des öffentlichen Erwartungsdrucks zu raschen Einzellösungen zu kommen. Dieser Umstand ist Kennzeichen eines strukturellen Defizits: entscheiden kommunalpolitische Akteure außerhalb von integrativen Gesamtstrategien, kann die Zukunftsfähigkeit einzelner Städte oder ganzer Regionen gefährdet werden.

Die nachhaltige Stadtentwicklung (NSE) hat den Anspruch die Grundlage für eine vorausschauende, transparente und integrierende Politikgestaltung zu schaffen. Dies erfordert u.a. die Überwindung des in Stadtverwaltung häufig anzutreffenden sektoralen Denkens hin u einer stärkeren Vernetzung der öffentlichen Aufgabenfelder und einer effektiven Steuerung und Koordination der Themen. Gleichermaßen ist es wichtig, die Bürgerschaft aktiv in Entscheidungs- und Planungsprozesse einzubeziehen.

Pages: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 ...48 49 50 Next