Am morgigen Samstag sind europaweit Demonstrationen gegen das internationale Handelsabkommen ACTA geplant, das angeblich den Kampf gegen Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzungen verbessern wird. Hier ist nicht unbedingt der Ort, sich über ACTA zu äußern. Sondern der Ort für einen kleinen Leseschnipsel, den ich zugegebenermaßen nur aus zweiter Hand habe (nämlich aus dem bibliothekarischen Fachblättchen ZKBW Dialog Nr.65). Zitat:Â
In einem kürzlich veröffentlichten Buch mit dem Titel „Geschichte und Wesen des Urheberrechts“ stellt der Autor Eckhard Höffner die These auf, dass Deutschland im frühen 19. Jahrhundert einen industriellen Aufstieg erlebte, weil es kein Urheberrecht kannte. Bei der Untersuchung des deutschen Buchhandels ohne Urheberrecht kommt die Arbeit zu überraschenden empirischen Erkenntnissen: Im Ergebnis kann man — jedenfalls für den untersuchten Zeitraum — dem Urheberrecht nahezu ausschließlich nachteilige Wirkungen zuschreiben. Es stimmt zwar, dass vor allem in Deutschland viele Autoren Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts wegen des Honorars Bücher verfassten, jedoch wurden sie ohne Urheberrecht besser bezahlt als nach Einführung des Schutzrechts. Der Handel mit Fachliteratur lief so gut, dass die Verleger ständig um Nachschub bangten. Die Situation verlieh selbst den weniger begabten unter den Wissenschaftsautoren eine gute Verhandlungsposition gegenüber den Verlegern. Professoren verdienten sich neben ihrem Gehalt nicht selten ein beachtliches Zubrot mit Ratgebern und praktischen Anleitungen. In Deutschland verfassten unzählige Wissenschaftler und Gelehrte Traktate und Ratgeber, die sich mit Chemie, Mechanik, Maschinenbau, Optik oder der Stahlproduktion beschäftigten. Â
Ende des Zitats, aus dem jeder seine eigenen Schlüsse ziehen kann. Beispielsweise darüber, inwieweit die damalige Situation auf heute übertragbar ist. Oder darüber, wieso die aufstrebende Wirtschaftsmacht China weltweit als eines der Länder mit den meisten Urheberrechtsverletzungen gilt. Wenn man mag, kann man außerdem einen Spiegel-Artikel dazu lesen…







