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Was passiert in der öffentlichen Verwaltung?

Barrierefreies Internet – Zugang für alle

Wie viele Webdesigner machen sich bei der Gestaltung einer Internetseite Gedanken darüber, ob diese von blinden oder sehbehinderten Menschen genutzt werden kann? Oder welche Schwierigkeiten eine farbliche Gestaltungen für rot-grün blinde Menschen bedeutet und dass blinkende Applikationen bei Epileptikern Anfälle auslösen können? Auch die selbstverständliche Navigation im Internet mit einer Maus kann für Menschen mit motorischen Störungen unmöglich sein.

Dabei ist das Internet ist aus dem Leben vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Wir beschaffen Informationen, tauschen Informationen aus, pflegen soziale Kontakte, kaufen ein und erledigen zunehmend auch Behördengänge mit Hilfe des Internet.

Wer Informationen im Internet zur Verfügung stellt, möchte mit seinem Internetauftritt möglichst viele Menschen erreichen. Leider werden bei der Gestaltung von Internetseiten oftmals Hindernisse aufgebaut, denen sich die Webdesigner gar nicht bewusst sind. Dies führt dazu, dass Informationen für viele Menschen nicht oder nur unzureichend zugänglich sind.

Gerade Menschen mit Behinderungen sind auf das Internet aber oftmals besonders angewiesen, da es eine wichtige Grundlage für ihre Teilhabe am sozialen und öffentlichen Leben darstellt. Allerdings sind noch immer 80 Prozent der deutschen Internetauftritte nicht ohne Einschränkungen nutzbar.

Maßnahmen zur Verbesserung der Benutzbarkeit

Ziel eines barrierefreien Internets ist es, unter Berücksichtigung all dieser Aspekte Internetauftritte zu schaffen, die für jeden zugänglich, verständlich und bedienbar sind.

Zur Zielgruppe gehören daher nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern auch Menschen die aufgrund ihres Alters oder der von Ihnen benutzten Technik (Browser, PDA, Betriebssystem) beim Bedienen und Lesen von Internetseiten eingeschränkt sind.

Dabei können schon kleine Änderungen zu großen Verbesserungen der Benutzbarkeit von Internetseiten führen. So kann auf vielen Webseiten die Schrift nicht vergrößert werden, was für Menschen mit einer Sehschwäche bedeutet, dass sie den Text entweder überhaupt nicht oder nur mit großer Mühe lesen können. Hauptsächlich ältere Menschen sehen sich mit diesem Problem konfrontiert. Diese stellen schon heute keinen unbeachtlichen Teil der Internetbenutzer dar, und die Anzahl von älteren Menschen welche das Internet benutzen wird sich aufgrund des demografischen Wandels in den kommenden Jahrzehnten weiter vergrößern.

Menschen mit geringen sprachlichen Fähigkeiten, beispielsweise Menschen mit kognitiven Behinderungen oder Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, profitieren von dem Einsatz so genannter leichter oder einfacher Sprache, womit eine besonders leicht verständliche sprachliche Ausdrucksweise gemeint ist. Barrierefreie Internetseiten bieten neben den regulären Inhalten auch Inhalte an, die in leichter Sprache verfasst wurden.

Für Menschen mit Farbfehlsichtigkeit (beispielsweise Rot-Grün-Blindheit) oder ähnlichen Sehschwächen wird durch den Verzicht auf grafische Navigationselemente, grafische Überschriften sowie blinkende oder animierte Texte die Bedien- und Lesbarkeit von Internetseiten verbessert.

Größere Änderungen sind nötig, um auch gehörlosen oder blinden Menschen die Möglichkeit zu geben, sich im Internet Informationen zu beschaffen. Gehörlose Menschen, die oft als erste Sprache die Gebärdensprache erlernt haben, können mit der normalen Schriftsprache meist wenig anfangen und sind auf visuelle Informationen angewiesen. Im Optimalfall werden Webseiten zusätzlich auch in Gebärdensprache dargestellt.

Braillezeile, Foto: Stiftung Digitale Chancen

Braillezeile, Foto: Stiftung Digitale Chancen

Blinde Menschen haben die Möglichkeit, Internetseiten mithilfe von Screenreadern und Braillezeilen – das sind Ausgabegeräte, die Zeichen in Brailleschrift darstellen können – selbständig zu lesen, sofern diese logisch und strukturiert aufgebaut sind.

Rechtliche Grundlagen

Alle oben genannten Beispiele sind Ausfluss des Grundgedankens von Artikel 3 Absatz 3 Satz 2 des Grundgesetzes, welcher besagt, dass niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf. Um dieses Ziel zu erreichen hat der deutsche Gesetzgeber am 27.04.2002 das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (BGG) erlassen, welches die Teilhabe behinderter Menschen am Leben sowie eine selbstbestimmte Lebensführung gewährleisten soll.

Um dies auch bei der Internetnutzung sicher zu stellen, enthält § 11 BGG spezielle Anforderungen für die Gestaltung von Internetauftritten, damit diese von behinderten Menschen uneingeschränkt genutzt werden können. Konkretisiert werden diese Anforderungen in der Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik (BITV). Die Regelungen des BGG und der BITV sind allerdings unmittelbar nur für Internetauftritte von öffentlichen Einrichtungen des Bundes bindend. Für öffentliche Einrichtungen des Landes Baden-Württemberg erklärt das Landesbehindertengleichstellungsgesetz (L-BGG) die Regeln des BITV für verbindlich. Private Internetanbieter sind diesen Regelungen nicht unterworfen.

Weitere Bemühungen, dass Internet barrierefreier zu machen gehen vom World Wide Web Consortium (W3C) – einem Gremium zur Standardisierung des Internet – aus. Das W3C hat unter anderem die Web Assibility Initiative (WAI) ins Leben gerufen, deren erklärtes Ziel es ist, das Internet möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Im Rahmen der WAI wurden bereits 1999 erste international anerkannte Standards für ein barrierefreies Internet veröffentlicht, an welchen sich auch die rechtlichen Regelungen der BITV orientieren.

Beispiele barrierefreier Internetseiten

Als Beispiele für Webseiten die bereits den Anforderungen barrierefreier Internetauftritte genügen, können die Seiten des statistischen Bundesamtes, der Stadtverwaltung Stuttgart und des Stadtklinikums Soest angeführt werden. So verzichtet die Internetseite des statistischen Bundesamtes unter anderem auf grafische Navigationselemente und Überschriften, arbeitet mit skalierbaren Schriften und trennt den Inhalt der Seite strikt vom Design.

Um den Vorgaben des W3C zu entsprechen, implementierte das Stadtklinikum Soest auf seiner Webseite veränderbare Schriftgrößen sowie ein Layout, welches Struktur und Inhalt voneinander trennt und kommentiert durchgehend Abbildungen und Links.

von Fabian Hoffmann und Thomas Bischoff


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